Jeden Finger einzeln bewegen

Foto: Prothesenhand

Die Finger an der Prothesenhand
"i-Limb" werden elektronisch
gesteuert; © Universität Heidelberg

Der mit nur einer Hand geborene Testpatient ist überzeugt von den Fähigkeiten der Prothese. Dass bei der i-Limb Hand jeder Finger aktiviert werden kann, ermöglichen eine komplexe Elektronik sowie fünf Motoren, die in den Fingern untergebracht sind. Über eine passive Positionierung des Daumens können verschiedene Griffmuster abgerufen werden. Die elektrischen Muskelreize aus dem Armstumpf steuern die Prothese; Muskelsignale werden von Elektroden auf der Haut abgenommen und zur Steuerungselektronik in der Prothesenhand geleitet. Akkumulatoren sorgen für die notwendige Energie.

Auf einem anderen Prinzip beruht die bislang nur als Prototyp entwickelte Karlsruher "Fluidhand", die ebenfalls in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg getestet wird. Anders als ihre Vorläufer kann die neue Hand Gegenstände umschließen, auch wenn deren Oberflächen unregelmäßig sind. Eine große Kontaktfläche und weiche, passive Formelemente verringern die Greifkraft, die erforderlich ist, um einen Gegenstand sicher festzuhalten um ein Vielfaches. Die Hand fühlt sich zudem weicher, elastischer und natürlicher an als herkömmliche, starre Prothesen.

Die flexiblen Antriebe befinden sich direkt in den beweglichen Fingergelenken und arbeiten nach dem biologischen Vorbild des Spinnenbeins: Um die Gelenke zu beugen, werden elastische Kammern mittels einer Miniaturhydraulik aufgepumpt. Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen lassen sich auf diese Weise unabhängig voneinander bewegen. Die Prothesenhand gibt dem Stumpf eine Rückmeldung, so dass der Amputierte die Griffkraft spürt.

Die beiden neuen Modelle schneiden im Test sehr gut ab, mit leichtem Vorteil für die Fluidhand wegen ihrer besseren Verarbeitung, den programmierten Griffmustern und der Kraftrückkopplung. Allerdings wird diese Prothese nicht serienmäßig produziert. "Erst müssen die Entwickler eine Firma finden, die sie auch herstellt", so Alfons Fuchs, Leiter der Orthopädietechnik an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, denn die Produktionskosten sind vergleichsweise hoch. Eine Einzelanfertigung ist jedoch möglich.

MEDICA.de; Quelle: Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg