Jeder vierte Patient über 70 unnötig katheterisiert

Oft Leidtragende unnötiger Katheter:
Ältere Patienten; © Picture Disk

Die Studie, die vom San Francisco VA Medical Center (SFVAMC) koordiniert wurde, schloss 1.586 Patienten ab 70 Jahren ein, die stationär in zwei Krankenhäusern in Ohio untergebracht waren. Von diesen 1.586 katheterisierten Patienten hatten 378 keine medizinische Indikation, die Katheter erforderlich gemacht hätten. Unter den Patienten, die älter als 85 Jahre waren, stieg die Rate der unnötigen Katheterisierung auf 32 Prozent.

Das Risiko unangebrachter Katheterisierung war auch unter Patienten mit Behinderung oder Demenz erhöht, sowie bei Fällen geriatrischer Erkrankungen wie Verwirrtheit oder häufiges Fallen. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass genau die Menschen einen unnötige Katheterisierung verordnet bekommen, die am meisten unter den widrigen Umständen einer Entzündung der ableitenden Harnwege zu leiden haben“, analysiert Studienleiter Seth Landefeld, M.D., stellvertretender Leiter der Abteilung Geriatrie und Langzeitbehandlung am SFVAMC.

Die Studie konnte neun spezifische Risikofaktoren für eine unnötige Katheterisierung ermitteln: weibliches Geschlecht, chronische Krankheit, kognitive Defizite, Inkontinenz, die Unfähigkeit, allgemeine Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen, die ärztliche Verordnung zur Bettruhe sowie drei geriatrische Indikationen: Verwirrtheit, häufiges Stürzen und die Unfähigkeit, sich zu Hause adäquat alleine zu versorgen. Patienten mit fünf oder mehr Risikofaktoren hatten eine 50-prozentig erhöhte Gefahr, unnötig katheterisiert zu werden.

Die Studie untersuchte allerdings nicht die Frage, warum die unnötigen Katheter gelegt wurden. Andere Studien hätten gezeigt, dass viele Ärzte gar nicht wissen, ob ihre Patienten einen Katheter gelegt bekommen haben oder nicht: „Es ist ein Phänomen, das oft aus Gründen passiert, die noch nicht eindeutig geklärt sind“, stellt Landefeld fest.

MEDICA.de; Quelle: University of California - San Francisco