Joggen macht glücklich und schmerzfrei

Foto: Arzt und Läufer

Professor Boecker informiert einen
untersuchten Läufer über das Ergebnis;
© H. Boecker/TU München

Ein direkter Beleg der „Endorphin-Hypothese“, bei der eine vermehrte Ausschüttung körpereigener Opioide im Gehirn vermutet wurde, konnte aus technischen Gründen bislang nicht erbracht werden. Nun haben Forscher der Nuklearmedizin, Neurologie und Anästhesie der Technischen Universität München sowie der Universität Bonn die Endorphin-Theorie genauer unter die Lupe genommen. Dabei untersuchten sie zehn Athleten jeweils vor und nach einem zweistündigen Langstreckenlauf mit dem bildgebenden Verfahren der Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Sie setzten dazu die radioaktive Substanz [18F]Diprenorphine ([18F]FDPN) ein, die im Gehirn an Opiat-Rezeptoren bindet und dabei in Konkurrenz zu Endorphinen tritt.

"Je mehr Endorphine im Gehirn des Athleten ausgeschüttet werden, desto mehr Opiat-Rezeptoren werden besetzt", erklärt Professor Dr. Henning Boecker, der die Studie an der TU München koordiniert hat. Und weiter: "Entsprechend geringer sind die Chancen für das [18F]FDPN, ebenfalls an den Opiat-Rezeptoren zu binden." Im PET-Bild lässt sich die [18F ]FDPN-Bindung sichtbar machen: Durch Vergleich der Bilder vor und nach einem zweistündigen Dauerlauf ermittelten die Forscher eine signifikant verminderte Bindung von [18F]FDPN. Das spricht im Umkehrschluss für eine vermehrte Ausschüttung körpereigener Opioide beim Ausdauerlauf.

"Dass die Endorphine auch in Hirnregionen freigesetzt werden, die eine zentrale Bedeutung für die Schmerzunterdrückung besitzen, war nicht ganz unerwartet, aber auch dieser Nachweis stand aus“, erklärt Professor Dr. Thomas Tölle von der TU München. "Wir sind nun sehr gespannt auf die Ergebnisse einer Bildgebungsstudie mit der funktionellen Magnetresonanztomographie, um den Einfluss von Ausdauerlauf auf die Schmerzverarbeitung direkt zu untersuchen", sagt Boecker.

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität München