Johannes Oldenburg für Arzneimittelforschung geehrt

PD Dr. Johannes Oldenburg
© Uni Frankfurt

Es gibt Medikamente, die wirken, und niemand weiß warum. Bis vor kurzem galt das auch für die Cumarinderivate, besser bekannt als Blutverdünner. In Deutschland müssen mehr als 700.000 Patienten diese Wirkstoffe als Tabletten schlucken, um Blutgerinnseln vorzubeugen.

Obwohl seit den 40er Jahren eingesetzt, war ihre Wirkungsweise jahrzehntelang unklar. Erst im Jahr 2003 gelang es Privatdozent Dr. med. Johannes Oldenburg gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Würzburg, VKORC1 zu finden - das menschliche Eiweiß, an dem die Cumarinderivate angreifen.

Oldenburg und seine Forscherkollegen fanden nicht nur das Eiweiß, sie klärten daran auch auf, warum Cumarinderivate bei manchen Patienten nicht anschlagen: dann ist VCORC1aufgrund genetischer Abweichungen so verändert, dass die Wirkstoffe nicht andocken können. Eine weitere genetische Abweichung führt bei Patienten zu einer verzögerten Blutgerinnung.

In seiner Laudatio würdigte der Münchner Internist Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Scriba den Preisträger als großen Forscher. Die Identifizierung von VKORC1 werde wesentlich dazu beitragen, die Blutgerinnung besser zu verstehen und möglicherweise sogar neue Gerinnungshemmer zu entwickeln. Mehr als 2,7 Millionen Packungen der Medikamente mit den Wirkstoffen Phenprocoumon oder Warfarin werden jährlich in deutschen Apotheken abgegeben.

Oldenburg studierte von 1981 bis 1988 Biologie und Humanmedizin an der Universität Bonn. 1995 gründete er die Arbeitsgruppe für "Molekulare Hämostaseologie" am Institut für Humangenetik der Universität Würzburg, mit der er die nun mit dem Preis gewürdigten Forschungsergebnisse erarbeitete. Im November 1998 habilitierte sich Oldenburg für das Fach Transfusionsmedizin mit "Molekulargenetischen Untersuchungen zur Diagnostik, Pathogenese und Klinik der Hämophilie A und B".

MEDICA.de; Quelle: Paul-Martini-Stiftung