Wissenschaftler haben in einer Meta-Analyse den Einfluss von Johanniskraut (Hypericum perforatum) auf Depressionen untersucht. Dazu analysierten sie 37 Studien, in denen Patienten mit Depressionen über mindestens einen Monat lang entweder mit Johanniskraut, einem Standard-Antidepressivum oder mit einem Placebo behandelt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Johanniskraut bei leichten und mittelschweren Depressionen hilft, der Effekt jedoch nicht so ausgeprägt ist wie bislang angenommen. Grund dafür ist unter anderem der Einschluss von neueren, methodisch anspruchsvollen Untersuchungen aus den USA, die keine oder nur eine geringe positive Wirkung des Pflanzenextraktes nachweisen konnten. Insgesamt flossen Daten von 5.603 erwachsenen Versuchspersonen in die Meta-Analyse ein. In 26 Studien wurde Johanniskraut mit einem Placebo verglichen, in 14 Studien musste das pflanzliche Heilmittel gegen ein Standard-Antidepressivum antreten.

Insgesamt wirkte Johanniskraut statistisch signifikant besser als Placebo, abhängig vom Patientenkollektiv etwa 1,1- bis 2-mal so gut und sehr ähnlich wie Standard-Antidepressiva wie beispielsweise Imipramin oder Sertralin. Frühere Metaanalysen hatten dem Johanniskraut im Vergleich zum Placebo noch eine 2,5-mal bessere Wirkung bescheinigt.

Im Vergleich zwischen Hypericumextrakt und Plazebo fiel der positive Effekt des Johanniskrauts umso schwächer aus je aktueller die Ergebnisse, je höher die Anzahl der Versuchsteilnehmer und je schwerer die Depressionen war. Sowohl für den Vergleich mit Placebo als auch mit Antidepressiva galt: In Studien aus deutschsprachigen Ländern schnitt Johanniskraut besser ab als in anderen Ländern. Patienten, die den Pflanzenextrakt einnahmen, litten unter geringeren Nebenwirkungen und unterbrachen die Studien seltener als Patienten, die ältere Standard-Antidepressiva erhielten.

MEDICA.de; Quelle: British Journal of Psychiatry 2005, Vol. 186, S. 99-107