Viele Heranwachsende bekennen sich zu einer Religion oder Konfession, die vorehelichen Geschlechtsverkehr nicht gut heißt. Allerdings haben die meisten Jugendlichen zum Ende ihrer Schulzeit schon erste sexuelle Erfahrungen gesammelt. Inwiefern beeinflusst Religion denn nun tatsächlich die sexuelle Aktivität der Jugendlichen?

Diese Frage haben sich amerikanische Psychologen gestellt und 118 Schüler amerikanischer High Schools befragt. 68 Prozent waren sexuell aktiv. Bei wichtigen Entscheidungen allgemeiner Natur befragen 65 Prozent ihre Mutter, 31 Prozent den Vater, 13 Prozent ihre Freunde und nur vier Prozent religiöse Quellen (Bibel, Pastor etc.). Wenn es um Sex geht, werden die Freunde wichtiger: 43 Prozent verlassen sich dann auf deren Rat, 57 Prozent befragen ihre Mutter, 27 Prozent den Vater und zwei Prozent religiöse Quellen.

Erstaunlicherweise stimmen doppelt so viele der befragten Jugendlichen den religiösen Verboten zu (44 Prozent) als diese ablehnen (22 Prozent). 27 Prozent der Jugendlichen lassen sich durch religiöse Bedenken beeinflussen, 37 Prozent überhaupt nicht und 31 Prozent von Fall zu Fall. Ein ähnliches Muster ergab sich auch, als man die Schüler nach dem Einfluss der Religion auf ihr Alltagsleben fragte.

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Jugendlichen sich in Bezug auf ihre sexuelle Aktivität kaum von religiösen Bedenken beeinflussen lassen. Dies gilt selbst für die religiös geprägten. Nur 37 Prozent jener, die sich mit den Lehren ihrer Religion einverstanden erklärten, befolgten diese auch tatsächlich in Bezug auf ihre sexuelle Aktivität. Offenbar, so folgern die Studienleiter, ist der normative Druck der Gesellschaft mit ihrer allgemeinen sexuellen Freizügigkeit längst stärker als religiöse Bedenken.

MEDICA.de; Quelle: American Psychological Association (APA) Convention 2006