Nach Berechnungen der WHO waren im Jahre 2005 rund zwei Millionen Menschen in den westlichen Industrieländern mit HIV infiziert Da es noch immer keine Impfung gegen das HI-Virus gibt, kommt der Prävention dieser potentiell tödlichen Infektion eine große Bedeutung zu. Bekanntlich wird HIV meist durch Geschlechtsverkehr übertragen. In den USA hat man versucht, Jugendliche durch Abstinenzprogramme gegen eine HIV-Infektion zu schützen. So genannte „Abstinence plus“-Programme fördern ein abgestuftes Verhalten: Abstinenz ist das beste Mittel gegen eine Infektion, so die Kernaussage dieses Programms. Wenn es dennoch zum Sex kommt, dann aber nur mit Kondom, so die zweite Aussage.

Eine systematische Analyse von 39 Studien zu diesem Thema hat nun interessante Ergebnisse gezeigt: 37.724 Jugendliche aus den USA mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund hatten insgesamt an diesen Studien teilgenommen. Alle erhielten an ihren jeweiligen Schulen Unterricht, bei dem ein „Abstinence plus“-Programm gelehrt wurde. Die Nachbeobachtungszeit lag bei durchschnittlich zwölf Monaten.

Ernüchterndes Ergebnis dieser Meta-Analyse: Es gibt keine Hinweise darauf, dass solche Programme die Zahl von Geschlechtskrankheiten oder unerwünschten Schwangerschaften senken können. Etwas erfreulicher das Ergebnis aber auf anderem Gebiet: So wussten Absolventen eines „Abstinence plus“-Programms durchschnittlich mehr über eine HIV-Infektion als andere Schüler.

In den USA gibt es noch andere Unterrichtsansätze: Die „Abstinence only“-Programme fordern eine völlige sexuelle Abstinenz der Jugendlichen. „Safer Sex“-Kampagnen verlangen lediglich, dass die Jugendlichen sich schützen sollen. Vergleichende Studien sollen nun zeigen, welcher dieser drei Ansätze langfristig der beste ist.

MEDICA.de; Quelle: Cochrane Database Syst Rev 2008, Early Online