In der Studie wurden die Leser einer deutschen Wochenzeitung darum gebeten, sich an einem Verhandlungsspiel, einem so genannten Ultimatumspiel, zu beteiligen. Dabei mussten jeweils drei Personen einen Betrag von 600 Euro unter sich aufteilen. Bei dem Spiel konnte die erste Person einen Vorschlag machen, wie das Geld unter den drei Teilnehmern aufgeteilt werden sollte. Die zweite Person konnte den Vorschlag entweder annehmen oder ablehnen. Wenn die zweite Person den Vorschlag annahm, erhielt jede Person den vorher festgelegten Anteil.

Wenn der zweite Teilnehmer nicht einwilligte, erhielt keine der drei Personen etwas. Die dritte Person konnte auf den Verlauf des Spiels keinen direkten Einfluss nehmen. Sie erhielt nur den Betrag, den die anderen Spieler für sie vorher festgelegt hatten.

Im Durchschnitt erhielt die erste Person 255 Euro, der zweite Teilnehmer 198 Euro und die dritte Person 150 Euro. Solche Angebote akzeptierte die zweite Person in mehr als 98 Prozent der Fälle. Folglich berücksichtigt die erste Person den zweiten und auch den dritten Teilnehmer in seiner Entscheidung, bevorzugt sich jedoch fast immer selbst.

Frauen in der Rolle der ersten Person forderten im Durchschnitt nur 240 Euro für sich selbst, während Männer 270 Euro forderten. Die Vorschläge der Rentner waren im Schnitt am ausgeglichensten: 225 Euro für den ersten, 217 Euro für den zweiten und 172 Euro für den dritten Teilnehmer. Am ungleichmäßigsten verteilten Personen unter 25 Jahren das Geld: Der Erste sollte nach ihrer Ansicht 285 Euro erhalten, der Zweite 195 Euro und der Dritte nur 120 Euro.

Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Ansicht der Autoren, dass soziale Präferenzen die Aufteilung von Ressourcen stärker bestimmen als bisher angenommen. Die Befunde bildeten also nicht nur den Grad der "Fairness" in der Gesellschaft ab, sondern zeigten wichtige Lücken in der ökonomischen Forschung auf, die in Zukunft intensiv beleuchtet werden sollten.

MEDICA.de; Quelle: Universität Mannheim