Bluthochdruck: Junge Menschen zufriedener und gelassener

02/07/2013
Foto: Blutdruck-Manschette

Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Blutdruck erzielen bessere Schulleis-
tungen und haben weniger emotionale Probleme und Verhaltensstörungen;
© panthermedia.net/orangeline

Eine Studie der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zeigt: Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Blutdruck erzielen bessere Schulleistungen.

Außerdem haben sie weniger emotionale Probleme und Verhaltensstörungen als andere Kinder im gleichen Alter mit normalem Blutdruck. Die Bedeutung dieser Ergebnisse für die Behandlung von erwachsenen Menschen mit Bluthochdruck wollen die Mediziner der UMG jetzt in weiteren Studien ausloten.

"Dass ein erhöhter Blutdruck auch mit einer besseren Lebensqualität verbunden sein kann, das war für uns ein überraschendes und trotzdem wichtiges Untersuchungsergebnis", sagt Professor Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG und Senior-Autor der Studie. "Wir vermuten: Was bei jungen Menschen hilfreich wirkt, verhindert bei erwachsenen Patienten mit Bluthochdruck die so genannte "Compliance". Ältere Menschen mit Bluthochdruck können oder wollen oft unsere Behandlungsempfehlungen gegen Bluthochdruck nicht einhalten."

Für die Studie wertete das Team um Herrmann-Lingen die Daten des deutschlandweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) aus den Jahren 2003 bis 2006 aus. 7.688 Jungen und Mädchen im Alter von elf bis siebzehn Jahren aus ganz Deutschland wurden dafür körperlich untersucht und zu ihrer psychischen Belastung und Lebensqualität befragt. Auch die Eltern machten Angaben zum Befinden ihrer Kinder. Nahezu elf Prozent der untersuchten Kinder und Jugendliche hatten einen erhöhten Blutdruck, das sind fast doppelt so viele wie erwartet.

Kinder mit Bluthochdruck neigen eher zu Übergewicht, verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer und fühlen sich körperlich weniger fit. Diese Ergebnisse waren wenig überraschend. Doch die Forscher der Universitätsmedizin Göttingen fanden heraus: Diese Jugendlichen verfügen über ein höheres Selbstwertgefühl und schneiden besser in der Schule ab als Kinder mit normalem Blutdruck. Auch Anzeichen von Hyperaktivität zeigten sich in dieser Gruppe seltener. Eltern von Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Blutdruck nahmen ihren Nachwuchs als zufriedener und weniger unruhig wahr als Eltern von Jugendlichen mit normalem Blutdruck. Eine allgemeine Stressbelastung sowie emotionale und Verhaltensprobleme lagen nach Einschätzung der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Blutdruck weniger häufig vor. Alle diese Zusammenhänge waren nicht durch andere untersuchte Merkmale zu erklären.

Wie sich die positive Wirkung des erhöhten Blutdrucks bei Kindern und Jugendlichen genau erklären lässt, können die Wissenschaftler noch nicht abschließend beurteilen. Bekannt ist: Ein erhöhter Blutdruck stimuliert bestimmte Nervenfasern zum Gehirn, die negative Gefühle beruhigen können. Dieser Effekt könnte zumindest einen Teil der Ergebnisse erklären. Hinzu kommt: "Die meisten Jugendlichen wissen nicht von ihrem erhöhten Blutdruck. Sie machen sich darum keine Sorgen", sagt Angela Berendes, Doktorandin in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG. "Vielleicht profitieren sie gerade deshalb von den positiven Nebeneffekten eines erhöhten Blutdrucks." In Anschlussstudien wollen die UMG-Forscher die weiteren Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck und einer verbesserten Lebensqualität erforschen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität