Studien zu den Langzeitauswirkungen sexuellen Missbrauchs im Kindesalter haben gezeigt, dass das Risiko für Medikamentenabhängigkeit, psychiatrische Erkrankungen, Selbstmordneigung und andere soziale Probleme steigt. Leider haben sich diese Studien meist nur mit dem sexuellen Missbrauch von Mädchen auseinander gesetzt. Über die Folgen sexuellen Kindesmissbrauchs bei Jungen gibt es nur wenige Daten.

In einer retrospektiven Studie wurde der sexuelle Missbrauch von Kindern nun in Bezug auf beide Geschlechter untersucht. 17.337 Mitglieder einer Health Maintenance Organisation (HMO) in den USA nahmen daran teil und füllten Fragebogen aus.

16 Prozent der männlichen Teilnehmer und 25 Prozent der Frauen berichteten, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein. Bei den Männern waren es in fast 40 Prozent Frauen, die ihnen zu nahe gekommen waren, bei den Frauen in sechs Prozent der Fälle Frauen.

Sexueller Missbrauch im Kindesalter ist nach dem Ergebnis dieser Studie mit verschiedenen Schwierigkeiten im Erwachsenenalter vergesellschaftet. Und zwar bei Männern und Frauen im selben Maße! Mehr als doppelt so viele Probanden beiderlei Geschlechts, die als Kind missbraucht worden waren, berichteten über Selbstmordversuche (p kleiner 0.05). Das Risiko, einen alkoholkranken Partner zu heiraten, ist bei dieser Personengruppe um 40 Prozent höher. Außerdem hatten sie mit einer 50-prozentig höheren Wahrscheinlichkeit Probleme in ihrer aktuellen Partnerschaft (p kleiner 0.05).

Diese Studie zeigt nach Ansicht der Studienautoren unter anderem zwei Dinge: Sexueller Missbrauch kann lange anhaltende psychische Schäden verursachen. Und vor allem: Sexueller Missbrauch ist auch ein Problem von Frauen als Täterinnen.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Preventive Medicine 2005, Vol. 28, S. 430-438