Kämmen belastender als Getränke schleppen

Funk aus dem Innern der Schulter
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Als erstem Patient wurde Wolfgang Schubert aus Berlin-Pankow das Mess-Implantat, entwickelt vom Biomechanik-Labor der Charité Campus Benjamin Franklin, eingesetzt. Der 69-Jährige ist seit fünf Jahren an Schultergelenk-Arthrose erkrankt. Seit ihm das Implantat eingesetzt ist, fungiert er für die Berliner Wissenschaftler als Studienobjekt und trägt dazu für die Messungen eine Magnetfeldspule um den Oberarm. Während Schubert seine Übungen und Bewegungen macht, zeichnet eine Kamera alles auf und überträgt die Aufnahmen zeitgleich auf einen Monitor.

Professor Dr. Ing. Georg Bergmann erklärt: „Jetzt können wir erforschen, welche Kräfte tatsächlich auf das menschliche Schultergelenk wirken. Diese Erkenntnisse werden großen Einfluss auf die Physiotherapie haben und zur Revision einiger Hypothesen führen.“

Überraschenderweise gehören tägliche Handgriffe zu den Tätigkeiten, die das Schultergelenk hochgradig belasten. Bei 70 Prozent liegt Haarekämmen, das Anheben einer Kaffeekanne mit gestrecktem Arm kostet 100 Prozent und ein Wert von 130 Prozent wurde beim Lenken eines Autos gemessen. Geringere Belastung dagegen ergaben sich beim Tragen eines 10 Kilogramm schweren Getränkekastens. Bei diesen Aktivitäten wurde das Gelenk nur zu 15 Prozent beansprucht.

Die Mediziner versprechen sich zudem Erkenntnisse über die Entstehung und Vermeidung von altersbedingter Schultersteifheit. Ein weiteres Ziel sei, die Lockerungsraten bei Gelenkpfannen-Prothesen am Schulterblatt durch eine verbesserte Verankerung zu senken.

MEDICA.de; Quelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin