Mit dem Preisgeld in Höhe von 750.000 Euro fördert die Körber-Stiftung auch Hartls Forschungsprojekt "Chaperone der Proteinfaltung in Biotechnologie und Medizin". Chaperone (engl. für Anstandsdame) helfen Proteinen bei der korrekten Faltung in ihre dreidimensionale Struktur - die entscheidende Voraussetzung dafür, dass sie ihre Funktionen erfüllen.

Chaperone fangen neu synthetisierte Polypeptidketten ein und schirmen sie während des Faltungsprozesses ab, sodass sie ihre vorgesehene Form einnehmen. Damit verhindern die Chaperone, dass sich Polypeptidketten miteinander verklumpen oder fehlgefaltete Proteine in den Zellen ansammeln - eine solche Aggregation löst schlimmstenfalls neurodegenerative Erkrankungen, etwa Alzheimer oder Chorea Huntington, aus.

In seinem Projekt "Chaperone der Proteinfaltung in Biotechnologie und Medizin" untersucht Hartl diese zellulären Prozesse. Am Beispiel von Chorea Huntington hat der Max-Planck-Wissenschaftler bei Experimenten an Zellkulturen gezeigt, dass die Zellen bei Ausbruch der Krankheit nicht ausreichend mit Chaperonen versorgt waren. Deshalb verklumpten die Polypeptidketten.

Die Folge: eine Vergiftung der Zellen, im Falle Chorea Huntington Ursache für die Krankheitssymptome Bewegungsstörungen und Gedächtnisverlust. Dem Forscher gelang es mittlerweile, die Produktion der Chaperone medikamentös zu steigern. In seinen Experimenten zu Chorea Huntington konnte er damit die Aggregation der schädlichen Proteinablagerungen und damit auch die Vergiftung der Zellen unterdrücken.

Weitere Erkenntnisse dieser zellbiologischen Grundlagenforschung könnten in Zukunft die Behandlung schwerwiegender degenerativer Erkrankungen ermöglichen. "Mit dem Körber-Preis wird unsere Forschung maßgeblich unterstützt", sagt Hartl. "Die Fördermittel ermöglichen uns, gleich mehrere Forschungsansätze parallel zu verfolgen."

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften