Körpereigene opiat-ähnliche Peptide helfen

Foto: Schmerztablette

Körpereigene Opiate können in der Schmerz-
behandlung zukünftig die Einnahme von
Medikamenten unnötig machen;
© panthermedia.net/Oleksii Akhrimenko

Entzündungsschmerzen sind die häufigste Form schmerzhafter Erkrankungen. Sie treten beispielweise akut nach Operationen oder chronisch bei Erkrankungen wie einer rheumatischen Arthritis auf. Die Behandlung dieser Schmerzen ist jedoch oft schwierig, da sie selten auf konventionelle Therapien ansprechen. Zudem weisen Opiate, wie beispielsweise Morphium, gravierende Nebenwirkungen auf und auch Schmerzmittel wie Ibuprofen können bei längerfristiger Anwendung zu Magengeschwüren, inneren Blutungen und Herz-Kreislauf-Problemen führen.

Durch die Aktivierung von Opiat-Rezeptoren in Nervenzellen außerhalb des Gehirns oder des Rückenmarks besteht die Möglichkeit, Schmerzen zu lindern, ohne dass Nebenwirkungen bekannt sind. Dabei werden die Rezeptoren mit synthetischen Opiaten oder körpereigenen opiat-ähnlichen Peptiden, bespielsweise Enkephaline und Endorphine, behandelt. Allerdings werden diese Peptide durch zwei bestimmte Enzyme, die Aminopeptidase N (APN) und die Neutrale Endopeptidase (NEP), schnell inaktiviert, sodass die schmerzlindernde Wirkung nicht anhält.

Ziel der Forschungsgruppe um Professor Halina Machelska-Stein von der Charité – Universitätsmedizin Berlin war es, den Abbau der körpereigenen opiat-ähnlichen Peptide direkt im entzündeten Gewebe zu verhindern. Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass Entzündungsschmerzen gemildert werden, wenn die beiden für den Abbau verantwortlichen Enzyme durch Enzymhemmer blockiert wurden. In Präparaten aus Immun- und Nervenzellen, die diese Enzyme enthielten, wurden die körpereigenen Peptide rasch abgebaut. Dies konnte verhindert werden, wenn die Präparate zuvor mit den Enzymhemmern Bestatin, Thiorpan oder P8B versehen wurden.

In der Folge war das Schmerzempfinden deutlich reduziert oder es entwickelte sich sogar völlige Schmerzunempfindlichkeit. „Eine Schmerzbehandlung, die den Schmerz am Ort seiner Entstehung durch körpereigene opiat-ähnliche Peptide bekämpft, kann selektiver und möglicherweise ohne Nebenwirkungen vorgenommen werden“, erklärt Machelska-Stein die Ergebnisse der Untersuchung. Darüber hinaus könnte eine solche Behandlung Folgereaktionen des Nervensystems verhindern, die zur Entwicklung chronischer Schmerzen führen.

MEDICA.de; Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin