Körperscanner entlarvt Behinderungen

Foto: Flugzeug in der Luft

Um an Bord zu gelangen, müssen
Passagiere immer strengere
Kontrollen auf sich nehmen; © SXC

Regina Ammicht Quinn vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen weist darauf hin, dass ethische Probleme insbesondere im Zusammenhang mit Menschen mit verdeckten Behinderungen entstehen: "Schambesetzte körperliche Behinderungen und chronische Krankheiten werden mit Körperscannern identifiziert, und die betroffenen Menschen werden leicht zu Terror-Verdächtigen und müssen sich erklären. Damit werden kranken und behinderten Menschen entwürdigende Situationen zugemutet."

Auch wenn die Bilder so anonymisiert würden, dass nicht mehr der nackte Körper dargestellt wird, seien nicht alle ethischen Probleme gelöst. Die Scanner müssen zwischen "Menschlichem" und "Nicht-Menschlichem", das sich unter der Kleidung befindet, unterscheiden. Damit sei eine Bevölkerungsgruppe in besonderer Weise betroffen: Menschen mit verdeckten Behinderungen. Das "Nicht-Menschliche" mag ein Keramikmesser oder Plastiksprengstoff sein - es könne aber auch eine Brustprothese, ein Insulinport, ein Urinbeutel oder ein künstlicher Darmausgang sein.

Die ethischen Probleme der Körperscanner werden bereits seit 2007 in dem Forschungsprojekt THEBEN unter Leitung von Ammicht Quinn untersucht. "THEBEN" steht für "Terahertz-Detektionssysteme: Ethische Begleitung, Evaluation und Normenfindung". Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Im Rahmen des Projektes wird derzeit für das Ministerium eine Handreichung zur ethischen Bewertung von Sicherheitstechnologien insgesamt erarbeitet. Diese soll zur Erstorientierung für Forschungspolitik, Anwender, Betroffene und den gesellschaftlichen Diskurs dienen.

Das Projekt THEBEN reflektiert die Körperscanner dort, wo sie auf den Menschen angewendet werden, in ihrer Entwicklung, bewertet Umsetzungs-Szenarien und arbeitet Bedingungen für die ethisch vertretbare Anwendung der Scanner aus. Darüber hinaus analysiert und bewertet es gesellschaftliche Konzepte von Sicherheit im Zusammenhang mit Sicherheitstechniken. Dabei wird Technikgestaltung immer als Gesellschaftsgestaltung betrachtet. THEBEN verbindet die ethischen Reflexionen direkt mit der Technikentwicklung, so dass Ethik zu einem Partner in der Technikgestaltung wird.

MEDICA.de; Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen