Die Möglichkeiten der assistierten Reproduktion sind erst wenige Jahrzehnte alt. Daher weiß man noch recht wenig über die „Langzeitwirkungen“ der verschiedenen Möglichkeiten der in-vitro-Fertilisationstechniken. Diese Langzeit-Nebenwirkungen scheint es aber tatsächlich zu geben, wie eine neue Studie aus Dänemark nun nahe legt.

Junge Männer in Dänemark müssen zum Militär und unterziehen sich daher einer Musterung. In den Jahren 2001 bis 2005 untersuchten dänische Wissenschaftler alle Männer, die sich in Dänemark dieser Musterung unterzogen und dabei auch einen Gesundheitstest über sich ergehen lassen mussten. 1.925 dieser Männer gaben freiwillig auch eine Spermaprobe ab und ließen andere Test über sich ergehen. Außerdem füllten sie einen umfangreichen Fragebogen aus. Darüber hinaus befragte man die Mütter, ob sie ihre Söhne mit Hilfe assistierter Reproduktionstechniken empfangen hatten.

Bei 47 der befragten Mütter war dies tatsächlich der Fall. Als man die Ergebnisse der verschiedenen Test verglich, zeigte sich: Jene Männer, die mit Hilfe assistierter Reproduktionstechniken gezeugt wurden, hatten eine Spermakonzentration, die um durchschnittlich 46 Prozent geringer war als die Spermakonzentration von Männern, die natürlich gezeugt wurden. Auch die Gesamtzahl der gemessenen Spermien lag um 45 Prozent darunter.

Auch bei anderen Parametern waren die 47 Männer ihren Gleichaltrigen unterlegen: Sie hatten eine geringere Hodengröße, weniger bewegliche Spermien und weniger morphologisch normale Spermien. Der Testosteronwert im Blut lag ebenfalls niedriger.

Woran dies alles liegt, ist nicht bekannt. Die dänischen Studienautoren sind jedoch alarmiert. Offenbar haben die modernen Reproduktionstechniken unerwartete Langzeitwirkungen, die jetzt in größeren prospektiven Langzeituntersuchungen untersucht werden sollen.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Epidemiology 2007, Vol. 165, S. 583-590