Künstlicher Fuß mit natürlicher Gehbewegung

Natürliches Gehen trotz Prothese;
© Fraunhofer TEG

Zehntausende von Menschen müssen allein in Deutschland jedes Jahr zum zweiten Mal das Gehen lernen, weil sie Gliedmaßen verloren haben und nun auf Prothesen angewiesen sind. Bisher hapert es jedoch noch an einer prothetischen Versorgung, mit der die Patienten beim Gehen möglichst wenig umlernen müssen. Und das, obwohl moderne Beinprothesen weit mehr können als nur stützen. Aus einem umfangreichen Baukasten standardisierter Module setzen Orthopädietechniker heute künstliche Gliedmaßen zusammen, die individuell auf ihre Träger zugeschnitten sind und im Extremfall sogar Leistungssport zulassen.

Ein wichtiger Bestandteil jeder Beinprothese ist der Prothesenfuß. Derzeit gibt es Prothesenfüße, die sich um drei Achsen im Raum bewegen und flexibel an Bodenunebenheiten anpassen. "Noch existiert jedoch kein Prothesenfuß, der die natürlichen Bewegungsabläufe beim Gehen nachbildet", sagt Dr. med. Urs Schneider von der Fraunhofer-Technologie- Entwicklungsgruppe TEG, Stuttgart.

Mit seinem Team hat er einen Prothesenfuß entwickelt, der dies kann - rein mechanisch, ohne aufwändige Elektronik. Bei jedem Schritt führt der menschliche Fuß eine kleine Rotationsbewegung aus, die kaum jemand bewusst wahrnimmt: Nach dem Aufsetzen der Ferse kippt der Fuß zunächst nach innen und dreht sich dann beim Abrollen über eine gerade Position nach außen, während sich die Hüfte für den nächsten Schritt nach vorne schiebt. Genau diese Drehbewegungen ahmt der Prothesenfuß nach.

Indem er den natürlichen Bewegungsablauf beim Gehen imitiert, erspart er frisch amputierten Menschen nicht nur das oft mühsame Umlernen. Er schont auch die intakten Knie- und Hüftgelenke sowie die Lendenwirbelsäule. "Klinische Tests haben gezeigt, dass durch das naturnahe Gangbild kaum jemandem die Prothese auffällt," resümiert Schneider. Der Prothesenfuß ist bereits zum Patent angemeldet.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft