Kürzungen gefährden die Versorgung

Grafik: Brust

Brustkrebspatientinnen bleiben
nach einer Operation durch-
schnittlich 5,7 Tage im Krankenhaus;
© panthermedia.net/Volker
Weisheit

Denn immer häufiger werden vor allem bei brusterhaltenden Therapieformen die von den Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft festgelegten Pauschalen nicht mehr akzeptiert, die berechnet wurden, um eine leitliniengerechte, evidenzbasierte Krebsbehandlung durchzuführen. Eine interdisziplinäre, moderne, evidenzbasierte Diagnostik, Therapie und Betreuung von Brustkrebspatientinnen, die Voraussetzung für gute Heilungschancen ist und deshalb den Standard in den zertifizierten Brustzentren in Deutschland darstellt, lässt sich bei einer Kürzung dieser Pauschalen nicht mehr durchführen.

Die Krankenkassen greifen dabei auf eine Argumentation zurück, die seit langem von den Fachgesellschaften kritisiert wird. In den Fallpauschalen, die Krankenhäuser für die Behandlung von Patienten erhalten, wurde eine durchschnittliche Verweildauer für eine ordnungsgemäße Behandlung festgelegt und eine Mindestverweildauer. Die Mindestverweildauer legt fest, wie viel Zeit mindestens aufgewendet werden muss für eine regelrechte Versorgung der Erkrankung in der Klinik. Die mittlere Verweildauer im Krankenhaus für eine leitliniengerechte Behandlung eine Patientin nach brusterhaltender Therapie inklusive Entnahme der Wächterlymphknoten beträgt 5,7 Tage. Diese durchschnittliche Behandlungsdauer, die notwendig ist, um eine Patientin nach evidenzbasierten, leitliniengerechten Konzepten zu behandeln, wurde in ausgewählten Musterkrankenhäusern in Deutschland evaluiert.

Die "untere Grenzverweildauer" liegt für die Behandlung mit einer Operation, bei der der Tumor und das umliegende Gewebe entfernt, die Brust selbst aber erhalten wird, bei zwei Tagen. Entlässt die Klinik eine Patientin früher als in der Mindestverweildauer festgelegt, so die damalige Festlegung, sei eine regelrechte Behandlung nicht mehr möglich. Um Patientinnen und Patienten vor einer solchen vorzeitigen Entlassung zu schützen, wurde festgelegt, dass eine Klinik ein Drittel der Pauschale verliert, wenn eine Patientin schneller entlassen wird, als es mit dieser Grenze festgelegt wird. Diese Kürzung ist viel höher als der Einspareffekt durch die fehlende Übernachtung.

Was diese Einschnitte für ein Brustzentrum bedeuten, erläuterte Professor Bernd Gerber anhand von Zahlen. So beträgt je nach Bundesland die Fallpauschale für die Behandlung einer Krebspatientin mit brusterhaltender Therapie einschließlich Entnahme und Diagnostik der Wächterlymphknoten zwischen 4100 und 4200 Euro inklusive allen Leistungen. Diese Summe deckt die Kosten für die Diagnostik, Operation und Betreuung einer Krebspatientin mit brusterhaltender Therapie ohnehin kaum. Die Kürzung der Fallpauschale um circa 1300 Euro, die bei Unterschreitung der unteren Grenzverweildauer abgezogen werden kann, bedeutet deshalb einen mehr als schmerzlichen Einschnitt.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe