Es gibt verschiedene theoretische biomedizinische Mechanismen, mit deren Hilfe man erklären könnte, dass und warum Kaffee das Risiko eines Mammakarzinoms beeinflusst. Einige Tierstudien kamen zu dem Ergebnis, dass Kaffeekonsum das Risiko des Brustkrebses erhöht, andere Studien jedoch kamen zum gegenteiligen Ergebnis: Kaffeegenuss soll demnach das Risiko senken. Seltsamerweise sind die epidemiologischen Daten zu diesem Zusammenhang jedoch sehr dünn.

Nun haben Wissenschaftler um Dr. Steven A. Narod von der University of Toronto, Ontario, Kanada, solche Daten erhoben. Sie gewannen 1.690 Frauen aus 40 medizinischen Zentren vierer Länder für diese Studie. Alle Frauen hatten eine nachgewiesene BRCA1- oder BRCA2-Mutation, die das Mammakarzinom-Risiko erhöhen.

Von allen Frauen erbaten die Wissenschaftler eine Selbsteinschätzung zum Kaffeekonsum ihres bisherigen Lebens. Im Vergleich zu jenen Frauen, die keinen Kaffee trinken, haben jene Frauen, deren Kaffeekonsum bei einer bis drei Tassen pro Tag liegt, ein zehn Prozent geringeres Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken (relatives Risiko: 0.90). Bei vier bis fünf Tassen sinkt das Risiko um 25 Prozent (relatives Risiko: 0.75) und gar um 69 Prozent (relatives Risiko: 0.31), wenn die Frauen mindestens sechs Tassen Kaffee pro Tag trinken.

Etwas differenzierter zeigte sich die Situation, als man die Frauen nach Mutationstyp unterschied. Demnach ist bei Frauen mit BRCA1-Mutation ein klarer inverser Zusammenhang zwischen der Menge des getrunkenen Kaffees und dem Mammakarzinomrisiko nachweisbar (p gleich 0.009). Bei Trägerinnen einer BRCA2-Mutation war dieser Zusammenhang jedoch nicht nachweisbar.

Noch ist nicht klar, worauf dieser protektive Effekt beruht: Ist es das Koffein? Oder bestimmte Röststoffe? Kaffeebohnen enthalten jedenfalls Phytoöstrogene, denen man schon lange einen positiven Effekt nachsagt.

MEDICA.de; Quelle: International Journal of Cancer 2006, Vol. 118, S. 103-107