Die Osteoporose ist eines der wichtigsten Gesundheitsprobleme, vor allem bei Frauen. Eine geringe Knochendichte ist ein Risikofaktor für osteoporotische Frakturen. Mindestens 90 Prozent der maximalen Knochenmasse wird bis zum 18. Lebensjahr aufgebaut.

In einer Studie sollte nun untersucht werden, ob es sinnvoll ist, gesunde junge Menschen mit Kalzium-Supplementen zu versorgen, um die Knochendichte zu verbessern. Wissenschaftler suchten in elektronischen Datenbanken sowie Konferenzunterlagen und anderem nach allen Studien, die sich diesem Thema widmeten. Studien mussten randomisiert und placebokontrolliert sein und mindestens drei Monate andauern. Nach mindestens sechsmonatigem Follow-Up musste die Knochendichte gemessen werden.

19 Studien entsprachen den Mindestanforderungen. 2.859 Kinder hatten daran insgesamt teilgenommen. Enttäuschendes Ergebnis: Kalzium-Supplementation hatte keinerlei Einfluss auf die Knochendichte am Femurhals oder den Lumbalwirbeln. Man konnte lediglich einen kleinen Effekt in bezug auf die Knochendichte im gesamten Körper messen. Auch in den Gliedmaßen schien sich die Knochendichte als Folge von Kalziumgaben etwas zu erhöhen. Dieser Effekt persistierte nach dem Absetzen der Supplemente nur in den oberen Gliedmaßen.

Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass Geschlecht, Kalzium-Aufnahme durch die Nahrung, das Stadium innerhalb der Pubertät, ethnische Zugehörigkeit oder das Maß an körperlicher Bewegung irgendeinen Einfluss auf dieses Ergebnis hatte.

Die Studienleiter selbst ziehen ein enttäuschtes Fazit: Der minimale Effekt der Kalzium-Supplementation auf die oberen Gliedmaßen könne das Risiko von Frakturen weder im Kindes- noch Erwachsenenalter so deutlich senken, dass dies irgendeinen Einfluss auf das Gesundheitswesen haben könnte.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 333, S. 775