Viel Kalzium schützt wahrscheinlich gegen vaskuläre Erkrankungen. Studien haben gezeigt, dass Kalzium-Supplemente den Quotienten aus HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin bei gesunden, postmenopausalen Frauen um bis zu 20 Prozent verbessern können. Untersuchungen bewiesen, dass Kalzium Fettsäuren binden kann und somit die Aufnahme dieser Fettsäuren in den Körper erschwert. Kalzium wird in der Regel dazu eingesetzt, um einer Osteoporose unter anderem bei älteren Frauen vorzubeugen. Demnach müssten Frauen, die Kalzium-Supplemente einnehmen, seltener Herzinfarkte oder Schlaganfälle erleiden.

Dieser Hypothese gingen nun Wissenschaftler aus Neuseeland nach. Randomisiert verabreichten sie 1.471 Frauen in der Postmenopause im Durchschnittsalter von 74 Jahren Kalzium-Supplemente. 732 Frauen erhielten Placebo und dienten als Kontrollgruppe.

Das Ergebnis war allerdings anders als erwartet: Während des Nachbeobachtungszeitraums erlitten 31 Frauen unter Kalzium 45 Myokardinfarkte. Unter Placebo geschah dies nur bei 14 Frauen, die insgesamt 19 Myokardinfarkte erlitten (p gleich 0.001). Auch der kombinierte Endpunkt aus Myokardinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichem Herztod trat unter der Kalziumeinnahme häufiger auf als unter Placebo: 101 Ereignisse bei 69 Frauen versus 54 Ereignisse bei 42 Frauen (p gleich 0.008).

Selbst als man aus der „national database of hospital admissions in New Zealand“ noch kardiovaskuläre Ereignisse hinzufügte, die von den Frauen nicht gemeldet worden waren, zeigte sich ein signifikanter Risikoanstieg unter der Kalziumeinnahme.

Dass man in dieser Studie das Gegenteil des Erwarteten gefunden hat, wirft Fragen auf. Möglicherweise, so vermuten die Studienleiter, verbessern Kalziumpräparate einerseits tatsächlich das Lipidprofil, fördern aber andererseits die Kalzifizierung von Gefäßen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 262-266