Früher hat man die ED hauptsächlich als psychologisches Problem angesehen. Bei den meisten Männern über 40 Jahre, die davon betroffen sind, steht aber ein vaskuläres Problem dahinter. In letzter Zeit hat man sich vermehrt gefragt, ob die ED ein Risikomarker für kardiovaskuläre Ereignisse sein könnte.

Dies scheint zumindest bei Männern mit Diabetes mellitus der Fall zu sein, wie eine italienische Studie zeigt. Dort untersuchten Mediziner prospektiv 2.306 Männer mit Diabetes mellitus im Durchschnittsalter von 54 Jahren, die allesamt keine Anzeichen einer kardiovaskulären Erkrankung zeigten. Zu Beginn der Studie litten 27 Prozent der Männer an einer ED.

Während des Nachverfolgungszeitraums von vier Jahren traten bei jenen Männern, die an einer erektilen Dysfunktion litten, signifikant häufiger kardiovaskuläre Ereignisse auf als bei Männern ohne ED. In Zahlen: 19,7 kardiovaskuläre Ereignisse pro 1.000 Personenjahre versus 9,5 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre. Dies entspricht einer Risikoerhöhung von 60 Prozent (p gleich 0.018).

Damit wird die erektile Dysfunktion als Risikomarker kardiovaskulärer Ereignisse bei diabeteskranken Männern nur noch von der Albuminurie übertroffen: Tritt diese auf, steigt das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um 120 Prozent (p gleich 0.001).

Interessant auch das Ergebnis von Untersuchungen an einer Untergruppe von Patienten: 291 Männer mit Diabetes mellitus und stiller Koronarer Herzkrankheit – verifiziert durch Stresstests und Angiographie – waren mit dabei. 118 von ihnen hatten zu Beginn der Studie eine erektile Dysfunktion. Innerhalb von vier Jahren traten bei 49 Männern schwere kardiovaskuläre Ereignisse auf. Bei jenen Männern, die zu Begin der Studie eine ED hatten, lag das Risiko eines schweren kardiovaskulären Ereignisses mehr als doppelt so hoch.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American College of Cardiology 2008, Vol. 51, S. 2040-2050