Gefürchtet nach einer Kolektomie ist der postoperative Ileus. Bei dieser Komplikation verliert der Darm zeitweise seine propulsive Kraft, was zu Schmerzen, Verstopfung, Übelkeit und Dehydratation führen kann. Der postoperative Ileus ist der häufigste Grund für einen verlängerten Krankenhausaufenthalt nach einem abdominellen Eingriff.

Chirurgen der University of Texas Southwestern, Dallas, USA, haben nun ein einfaches Mittel gegen den postoperativen Ileus gefunden: Für eine Studie gewannen sie 120 Patienten, die sich an einem von drei Krankenhäusern einer Kolektomie unterzogen: Randomisiert tranken die Patienten der Kontrollgruppe klare Flüssigkeit, um den Darm wieder in Schwung zu bringen. Die Patienten der Verumgruppe dagegen kauten vier Mal täglich jeweils 15 Minuten lang einen Streifen Kaugummi.

In der Kontrollgruppe kamen die Darmbewegungen im Durchschnitt 3,5 Tage nach dem Eingriff wieder in Schwung. Bei den Kaugummikauern dagegen bereits nach durchschnittlich 2,9 Tagen. Ebenso unterschiedlich denn auch die Entlassungszeiten: Die „Trinker“ gingen nach durchschnittlich 5,2 Tagen nach der Operation nach Hause, die „Kauer“ schon nach 4,4 Tagen.

Dieser deutliche Unterschied trat allerdings nur in jener Gruppe von Patienten auf, die sich einer laparoskopischen Kolektomie unterzogen hatten. Unter einer offenen Kolektomie waren die Latenzzeiten bis zum Wiederauftritt von Darmbewegungen beziehungsweise bis zur Entlassung in beiden Gruppen gleich.

Warum Kaugummikauen einen solchen Erfolg hat, ist nicht ganz klar. Möglicherweise, so sagte der Studienleiter auf dem Jahreskongress des „American College of Surgeons“, täuscht das Kauen dem Körper Essen vor, so dass sich reflexiv der Darm in Bewegung setzt. Wie auch immer: Kaugummis zu „verordnen“ ist jedenfalls unglaublich preisgünstig.

MEDICA.de; Quelle: American College of Surgeons (ACS) 91st Annual Clinical Congress