Bislang war es oft der einzige schwache Lichtblick nach einer Kolektomie: die Aussicht, ärztlich verordnet Kaugummi kauen zu dürfen. Damit sollte die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes angeregt werden. Zwei Studien haben kürzlich tatsächlich gezeigt, dass Kaugummikauen die erste Passage von Darmwinden beschleunigen kann.

Eine weitere Studie kommt jetzt aber zu einem gegensätzlichen Ergebnis. An dieser Studie nahmen 66 Patienten teil, die sich einer offenen Kolektomie zu unterziehen hatten. Alle begannen am ersten postoperativen Tag wieder damit, in kleinen Schlucken Wasser zu trinken. Darüber hinaus wurden sie randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt: keine Intervention (Kontrollgruppe), Akupressur oder Kaugummikauen. Die Kaugummis waren zuckerfrei und schmeckten nach Pfefferminze. Sie sollten drei Mal am Tag für jeweils 45 Minuten eingesetzt werden.

In der Kontrollgruppe dauerte es im Durchschnitt 67 Stunden, bis der Darm wieder so in Bewegung kam, dass Darmwinde abgingen. Unter Akupressur kam der Darm nach durchschnittlich 72 Stunden in Schwung und bei den Kaugummikauern dauerte es im Durchschnitt 60 Stunden bis zum ersten Flatus. Dies war zwar schneller als in den anderen Gruppen, aber statistisch nicht signifikant.

Auch die Zeit bis zur ersten Darmbewegung und die Zeitdauer bis zur Entlassung waren in der Gruppe der Kaugummikauer nicht deutlich kürzer als in den beiden anderen Gruppen. Als man sich die Komplikationen ansah und insbesondere auch die Komplikationen, die innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung auftraten, zeigte sich keinerlei statistischer Unterschied zwischen den drei Gruppen.

Die Studienautoren haben immerhin einen schwachen Trost bei diesem enttäuschenden Ergebnis: Wenn das Kauen von Kaugummi schon nicht die Zeitdauer eines postoperativen Ileus verkürzt, so kann es doch wenigstens die Lebensqualität heben.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American College of Cardiology2006, Vol. 202, S. 773-778