Keine Angst vor Erythrozyten-Transfusion

Ein Erythrozyten-Cocktail scheint
dem Frühchen nicht zu schaden
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Frühgeborene Kinder erhalten häufig Erythrozytenkonzentrate, die von verschiedenen Spendern stammen. Deshalb versuchen Ärzte meist, die Zahl der Transfusionen bei Frühgeborenen möglichst niedrig zu halten.

Die Zahl der transfundierten Konzentrate variiert von Klinik zu Klinik oft stark, nicht zuletzt auch deshalb, weil man noch nicht genau weiß, ob Frühgeborene einen erniedrigten Hämoglobinwert gut tolerieren. Resultat dieser Unsicherheiten sind unterschiedlich strenge Leitlinien in Bezug auf die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten bei Frühgeborenen.

In einer Studie sollte nun untersucht werden, was den Frühgeborenen besser bekommt: Strikte oder eher liberale Richtlinien in Bezug auf die Transfusionen. Dazu randomisierte man 103 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht zwischen 500 und 1.300 Gramm je nach Gewicht in eine liberale oder strenge Gruppe.

Wie nicht anders zu erwarten, erhielten Kinder in der liberalen Gruppe tatsächlich mehr Erythrozytenkonzentrate als jene in der strengen Gruppe. Dafür litten sie signifikant seltener an einer intraparenchymalen zerebralen Hämorrhagie oder einer periventrikulären Leukomalazie.

Auch die Zahl von leichten oder schweren Apnoe-Episoden war unter der liberaleren Handhabung von Transfusionen seltener als in der Vergleichsgruppe. Möglicherweise, so die Studienleiter, verbessern die Transfusionen die Blutversorgung des Gehirns der Frühgeborenen, was die geringere Quote an neurologischen Komplikationen erklären würde.

Insgesamt wurden die Transfusionen von den Kindern meist gut vertragen. Da neurologische Komplikationen unter strenger Handhabung restriktiver Transfusionsleitlinien häufiger auftreten, sind die Studienautoren dafür, die offiziellen Leitlinien in diesem Punkt eher zu lockern.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2005, Vol. 115, S. 1685-1691