Keine Manipulationen bei Spendernieren

Foto: Nierentransplantation

Manipulationen bei der Vergabe von Spender-
nieren seien aus verschiedenen Gründen
unwahrscheinlich, sagt die DGfN;
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Manipulationen bei der Verteilung von Spendernieren sind einerseits unwahrscheinlich, da nierenkranke Patienten durch die Dialyse Jahre und Jahrzehnte überleben könnten. Daher gebe es bei der Organvergabe keine manipulierbaren Dringlichkeitsparameter wie beispielsweise bei der Lebertransplantation, sondern nur leicht überprüfbare Wartelisten-Parameter wie Wartezeit, Alter und Gewebeübereinstimmung. Andererseits gebe es durch die intensive Mitbetreuung der auf eine Nierentransplantation wartenden Patienten durch niedergelassene Nephrologen und durch Nephrologen an Transplantationszentren bei der Nierentransplantation seit langem ein "6-Augen-Prinzip" bei der Vergabe der Spenderorgane.

Nierenkranke und Nierentransplantierte wären aber die Leidtragenden von der im Zuge des Organspendeskandals im Bereich der Lebertransplantation angedachten Zusammenlegung von Transplantationszentren. Die Niere ist das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ: 2011 wurden in Deutschland 2.055 Nieren transplantiert - circa 12.000 der 70.000 Dialysepatienten warten auf ein Spenderorgan. Im Jahr 2006 wurden in den deutschen Transplantationszentren bereits über 25.000 Nierentransplantierte versorgt, heute wird die Zahl auf mehr als 30.000 geschätzt.

Lange Wege in die Transplantationszentren würden für Zehntausende dieser Nierenpatienten die regelmäßige Fahrt in die Spezialambulanzen drastisch erschweren - eine seltenere Wiedervorstellung, eine schlechtere Betreuung und ein schlechteres Organüberleben wären die Folge. Durch den Wegfall der engen Vernetzung zwischen niedergelassenen Nephrologen und den Ärzten in den Transplantationszentren käme es zu einer Anonymisierung der Versorgung der Nierenpatienten, die neben einer Qualitätsverschlechterung auch den Verlust der Kontrollfunktion durch die Nephrologen nach sich ziehen würde.

Durch die unverantwortbaren und möglicherweise sogar kriminellen Handlungen Einzelner im Bereich der Lebertransplantation hat die Bereitschaft, Organe zu spenden, dramatisch abgenommen. Dies trifft vor allem auch die auf eine Niere wartenden Dialysepatienten hart. Verstärkte Kontrollen sind daher wichtig, aber gleichzeitig sollte auch der wirtschaftliche Druck auf die Transplantationszentren reduziert werden. Denn letztlich erhöht dieser die Gefahr der Manipulation, um hohe Transplantationszahlen zu erreichen.

"Die wichtigste Aufgabe nach dem Skandal ist es, das Vertrauen der Bevölkerung wieder herzustellen und an die Organspendebereitschaft zu appellieren. Bei der Nierentransplantation hat es keine Manipulationen gegeben und nach der bereits erfolgten Etablierung von Kontrollparametern wie dem quasi "6-Augen-Prinzip" sind nun auch bei anderen Organtransplantationen wie der Leber- oder Herztransplantation Manipulationen kaum noch möglich. Das sollte der Öffentlichkeit klar kommuniziert werden. Die Zusammenlegung von Transplantationszentren bringt hingegen keine höhere Sicherheit vor Manipulationen - interessanterweise kam es ja gerade in größeren Zentren zu den bekannten Vorfällen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) befürchtet, dass der Skandal nun genutzt wird, um Sparmaßnahmen und Partikularinteressen durchzusetzen. Die Leidtragenden sind dabei direkt die Patienten ", so Professor Reinhard Brunkhorst. Die Gesellschaft weist daher die Forderung nach Zentrierung der Transplantationszentren vehement zurück, weil damit keinesfalls eine höhere Sicherheit vor Manipulationen erreicht würde.

Stattdessen würde die flächendeckende Versorgung der nierentransplantierten Patienten und der auf eine Transplantation wartenden Dialysepatienten aufgegeben, der Erfolg von Nierentransplantationen durch längere Anfahrtswege gemindert, die vorhandene Kompetenz und das Engagement für die Transplantation und Organspende reduziert und letztlich auch die Existenz nephrologischer und spezialisierter chirurgischer Abteilungen in den betroffenen Universitäten - mit Verlust von Weiterbildungskapazitäten, bei bereits jetzt schon existierendem Mangel an Nephrologen - auf dem Spiel stünde.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie