Kieselgelfasern beschleunigen Wundheilung

Foto: Walther Glaubitt (links) und Jörn Probst

Forscher des Fraunhofer-Instituts
mit frisch gesponnen Kieselgelfasern;
© Kai-Uwe Nielsen/Fraunhofer

Entwickelt wurde sie von Wissenschaftlern am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg. Diese Wundauflage hat den Forschern zufolge viele Vorteile: Sie ist formstabil, pH-neutral und 100 Prozent bioresorbierbar - einmal aufgelegt, bleibt sie im Körper und wird dort ohne Rückstände abgebaut. Zudem bietet das Vlies den gesunden Zellen an den Wundrändern eine Leitstruktur, die sie zusätzlich zu einer adäquaten Nährstoffversorgung für ein gerichtetes Wachstum benötigen.

Damit keine Infektionen entstehen, muss die Behandlung der Wunde absolut steril erfolgen. "Da nur noch der äußere Verband gewechselt werden muss, ist die Gefahr die Wunde zu verunreinigen gering", erklärt Dr. Jörn Probst vom ISC. Und dank des Klettergerüsts für die Zellen stehen die Chancen auf einen narbenfreien natürlichen Wundverschluss sehr gut.

Basis der Fasern ist eine nasschemische Werkstoffsynthese, ein Sol- Gel-Verfahren. Dabei wird aus Tetraethoxyisilan (TEOS), Ethanol und Wasser in einem mehrstufigen, sauer katalysiertem Syntheseprozess ein transparentes, honigartiges Gel hergestellt. Dieses läßt sich in einem Spinnturm weiterverarbeiten.

"Wir pressen es bei konstanten Temperaturen und Luftfeuchte durch feine Düsen", erläutert Walther Glaubitt, der Erfinder der Kieselgelfasern. "Dabei entstehen feine Endlosfäden, die auf einem Changiertisch aufgefangen und in einem bestimmten Muster gesponnen werden, so dass ein etwa DIN A4 großes Vlies aus mehreren Schichten entsteht." Im Anschluss werden die Wundauflagen geschnitten, verpackt und sterilisiert.

Ein Partner, der die Entwicklung begleitet und die Wundauflage vermarkten wird, wurde bereits gefunden. Ab 2011 soll sie in Krankenhäusern eingesetzt werden.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft