Forschung: Kinder-Diabetes-Biobank sammelt Daten

22/05/2013
Foto: Probenlagerung

Die Kinder-Diabetes-Biodatenbank in Ulm sammelt neben Patientendaten auch Proben für die Diabetesfor-
schung; © panthermedia.net/Anna Liebiedieva

Die Kinder-Diabetes-Biobank an der Universität Ulm leistet wertvolle Dienste für Forschung: Neben Patientendaten werden auch Bioproben nutzbar gemacht. Sie können Einsichten in die Krankheit und ihre Früherkennung bringen.

„Diabetes bei Kindern ist eine heimtückische Krankheit, die anfangs oft unentdeckt bleibt“, erklärt Professor Reinhard Holl vom Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie der Universität Ulm. Der Koordinator der in Ulm eingerichteten Kinder-Diabetes-Biobank lenkt das Augenmerk auf eine Krankheit mit gefährlich diffuser Symptomatik: „Wenn ein Kind häufig durstig ist und ständig Wasser lassen muss, wenn es an Gewicht verliert und ständig müde ist oder häufig an Pilzerkrankungen leidet, kann sich dahinter eine Diabetes-Erkrankung verstecken“, erklärt der Kinderdiabetologe. Diabetes vom Typ 1 ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Gut 30 000 Heranwachsende unter 20 Jahren leiden daran.

Anders als Diabetes vom Typ II, der häufig mit starkem Übergewicht verbunden ist und meist im Erwachsenenalter auftritt, ist Typ I-Diabetes eine Autoimmunerkrankung, die in der Regel im Kindesalter ausbricht und die insulinproduzierenden Zellen im Körper vollständig zerstört. Die Erforschung Immunologischer und genetischer Faktoren, die in beiden Varianten ganz unterschiedliche Rollen spielen, ist aufwändig und kostenintensiv. Um den Umgang mit kostbaren Ressourcen in der pädiatrischen Diabetes-Forschung zu optimieren, wurde an der Universität Ulm eine Kinder-Diabetes-Biobank (paedBMB) eingerichtet, in der neben Patientendaten auch Bioproben eingelagert werden. So konnten – unter strengsten Datenschutzstandards und mit Einwilligung der Patienten – Blut- und Serumproben von über 2000 jungen zuckerkranken Patienten aus über 150 pädiatrischen Diabetes-Einrichtungen in Deutschland zusammengeführt werden.

„Die in der Kinder-Diabetes-Biobank erfassten individuell charakterisierten – aber anonymisierten – Patientenkohorten erlauben die Bearbeitung von grundlegenden Forschungsfragen zu Krankheitsentstehung, Verlauf und Therapie“, so der Diabetes-Forscher. Und auch in Bezug auf die Früherkennung sind die Erwartungen hoch: Möglicherweise lassen sich bald bessere Biomarker auffinden, die das Erkrankungsrisiko frühzeitig vor Ausbruch anzeigen. Denn Langzeitstudien zeigen: Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto geringer sind die Spätschäden.

Als Leiter der Kinder-Diabetes-Studiengruppe koordiniert Holl die so genannte Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), die mit Hilfe klinischer Langzeitstudien den Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg verschiedener Diabetes-Typen wissenschaftlich erfasst. „Der eigentliche Diabetes lässt sich bei kontrollierter Lebensführung und gegebenenfalls mit Insulin gut behandeln. Das Problem sind allerdings die schwerwiegenden Komplikationen wie lebensgefährliche Blutübersäuerung oder diabetisches Koma und langfristige Folgeerkrankungsrisiken für Nervenschäden, Atherosklerose und Schlaganfall“, sagt Holl.

MEDICA.de; Quelle: Universität Ulm