Nieren: Kinder nach Transplantation vor Krebs schützen

19.07.2013
Foto: Kind

Kinder können nach einer Nierentrans-
plantation durch ein Medikament vor dem Epstein-Barr-Virus geschützt werden, das auch Krebs auslösen kann; © panthermedia.net/Denys Prokofyev

Ein gängiges Anti-Virus-Medikament kann nierentransplantierte Kinder vor Krebs schützen. Dies hat eine Studie unter Federführung von Heidelberger Wissenschaftlern gezeigt.

Mehr als die Hälfte der Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, konnte verhindert werden. Rund 25 Prozent der Kinder, die eine Spenderniere erhalten, werden durch das neue Organ mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, infiziert. Die Infektion kann bei ihnen Lymphdrüsenkrebs verursachen. Doktor Britta Höcker und Professor Burkhard Tönshoff vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg haben jetzt gezeigt: Das gängige Anti-Viren-Medikament Ganciclovir kann die Infektion bei rund der Hälfte der mit einer EBV-positiven Niere transplantierten Kinder verhindern.

Die Heidelberger Kinderärzte untersuchten in der bisher größten Studie zur EBV-Infektion mit 106 nierentransplantierten Kindern und Jugendlichen, wie sich der Verlauf der Infektion auf das Krebsrisiko auswirkt. Die multizentrische Studie der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN), an der sich acht deutsche Transplantationszentren beteiligten, wurde in Heidelberg koordiniert.

Unmittelbar nach einer Organtransplantation wird das Immunsystem des Patienten zum Schutz des neuen Organs etwas unterdrückt. „Gerade jüngere Kinder sind häufig noch nicht mit EBV in Kontakt gekommen. Die Spenderorgane stammen aber in der Regel von Erwachsenen, die fast alle EBV-positiv sind“, erklärt Höcker. Weltweit tragen beinahe alle Erwachsenen das Herpesvirus EBV im Körper, das sie nach einer Infektion im Kindesalter lebenslang in sich tragen. „Die Kinder werden durch das neue Organ mit EBV infiziert.“ Bei bis zu zehn Prozent kommt es dadurch zu bösartigen Veränderungen bestimmter Blutzellen, der Lymphozyten. Der Fachbegriff für diese Krebsart lautet „Posttransplantation-lymphoproliferative Erkrankung (PTLD)“. Welche Kinder besonders gefährdet sind, ist noch weitgehend unbekannt.

Die Virenmenge im Blut liefert – anders als bisher angenommen – keinen Hinweis darauf, ob sich aus der EBV-Infektion eine PTLD entwickelt. Höcker und Tönshoff stellten in der Studie keinen Zusammenhang zwischen Virenmenge, der Ausprägung von Symptomen und Krebsrisiko fest. „An manchen Zentren ist es Praxis, allein schon bei einer anhaltenden EBV-Konzentration im Blut die Unterdrückung des Immunsystems deutlich zurückzufahren, damit der Körper die Viren bekämpfen kann. Das kann das Spenderorgan gefährden“, sagt Tönshoff. „Aufgrund unserer Ergebnisse raten wir von diesem Vorgehen ab, es bringt wahrscheinlich keine Vorteile für die Patienten.“

„Um Lymphdrüsenkrebs vorzubeugen, muss seine Ursache, also die EBV-Infektion, verhindert oder eingedämmt werden“, so Tönshoff. Dazu kann ein gängiges Medikament gegen Viren beitragen. 20 Patienten der Studie, die zum Zeitpunkt der Transplantation nicht infiziert waren und eine EBV-positive Spenderniere erhielten, wurden mit einer Viren-Prophylaxe behandelt. Das Medikament Ganciclovir verhinderte bei elf Kindern die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Bei neun Kindern vermehrten sich die Viren nur wenig. Dieses Ergebnis passt zu Daten einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2005. Diese zeigte, dass die Durchführung einer Viren-Prophylaxe das Auftreten von Lymphdrüsenkrebs nach Nierentransplantation um 83 Prozent verringern kann. „Wir empfehlen daher bei allen Risikopatienten eine Viren-Prophylaxe“, sagt Höcker. „Es wäre zudem sinnvoll, die Medikamente weiterzuentwickeln, um den Schutz vor EBV noch zu verbessern.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg