Krebs: Kinder nur in Spezialzentren behandeln

27.09.2013
Foto: Krebs

Jährlich erkranken in Deutschland 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs; © panthermedia.net/
Ilya Andriyanov

Die Heilungschancen für krebskranke Kinder sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Bei sogenannten soliden, also festen Tumoren, erhöhte sich die Überlebensrate innerhalb von 30 Jahren von 20 auf 75 Prozent.

Weit weniger erfreulich sind die Zahlen jedoch, wenn sich bereits Tochtergeschwülste gebildet haben. In diesem Fall überleben nur etwa 30 bis 40 Prozent der betroffenen Kinder die Erkrankung.

Jährlich erkranken in Deutschland 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. Bei bestimmten Krebsarten ist das Risiko, dass die bösartigen Geschwülste auf andere Organe streuen, groß: Das Nephroblastom beispielsweise, der häufigste Nierentumor bei Kindern, verursacht anfangs wenig Symptome und bildet zugleich rasch Tochtergeschwülste. Zum Zeitpunkt der Diagnose werden bei etwa zehn Prozent der kleinen Patienten bereits solche Metastasen festgestellt. „Hat der Tumor gestreut, steht vielen betroffenen Kindern eine intensive Chemotherapie, eine Bestrahlung, ein radikaler chirurgischer Eingriff oder sogar eine Knochenmarktransplantation bevor“, sagt Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) -Präsident Prof. Jörg Fuchs.

„Hier ist die enge Zusammenarbeit von Kinderärzten mehrerer Fachrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig“, sagt der Experte. Das zeigen die Auswertungen internationaler Behandlungsprotokolle, die Kinderärzteteams bei der Therapie von Krebs erstellen. Werden erkrankte Kinder in Deutschland in speziellen Zentren behandelt, so richtet sich ihre Versorgung streng nach diesen Studienergebnissen. „Die optimale kinderchirurgische Versorgung betroffener Kinder ist einerseits nur ein Teil in dieser Gesamtbehandlung“, erklärt Fuchs, der Ärztlicher Direktor der Kinderchirurgischen Klinik der Universität Tübingen ist. „Sie ist andererseits jedoch einer der wichtigsten Einflussfaktoren für das Überleben der Patienten.“

Der Experte verweist darauf, dass eine radikale operative Entfernung der Metastasen die Überlebenschance Betroffener oft deutlich erhöht. Zur Verfügung stünden dafür inzwischen auch schonende minimal-invasive Methoden, so bei der Entfernung von Lungenmetastasen. „Ein solcher Eingriff ist nicht immer möglich. Aber wenn dies der Fall ist, erspart er dem kleinen Patienten eine schwere Operation“, erklärt Fuchs. „Außerdem kann sich dann früher eine Chemotherapie anschließen.“

Damit Kinder von den verbesserten Therapiemöglichkeiten profitieren können, sollten sie mit ihren Eltern zur Behandlung in ein kinderonkologisches Zentrum gehen, das auf die fachübergreifende Behandlung spezialisiert ist, sagt Fuchs. Dies empfiehlt auch der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Mai diesen Jahres, der sich mit der Sicherung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Versorgung von jungen Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen befasst.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie