In einer Studie wurden die psychologischen Auswirkungen künstlicher Reproduktionstechniken auf das Verhalten der Kinder und späteren Jugendlichen untersucht.

Dr. Susan Golombok von der University of Cambridge hatte vor einigen Jahren Eltern und deren Kinder im Alter von 4,5 Jahren untersucht. Damals zeigte sich: Eltern, die mit Hilfe einer Eispende einer dritten Frau zu einem Kind gekommen waren (17 Fälle), fühlten sich seelisch zufriedener als Eltern, die durch einen anonymen Samenspender (35 Fälle), In-vitro-Fertilisation (34 Fälle) oder Adoption zu Kindern gekommen waren. Keines der damals untersuchten Kinder zeigte psychologische Probleme.

Dieselbe Gruppe wurde nun wiederum untersucht. Die Kinder waren inzwischen durchschnittlich zwölf Jahre alt. Ausgedehnte Interviews mit den Müttern zeigten, dass sich die Zuwendung der Mütter und deren Umgang mit ihren künstlich gezeugten Kindern in keiner Hinsicht voneinander unterschied. Allerdings tendierten Mütter, die mittels Samenspende zu einem Kind gekommen waren, etwas zur Überfürsorglichkeit.

Beruhigend auch das Ergebnis der Interviews bei den Kindern: Ihre sozioemotionale Entwicklung unterschied sich kaum voneinander. Kleiner Ausreißer auch hier: Kinder, die aus einer Samenspende stammen, wurden in der Schule etwas häufiger gehänselt als andere. Die Studienleiter vermuten, dass die überfürsorglich behandelten Kinder der Samenspender möglicherweise nur überempfindlich für „normale“ Schulhänseleien sind.

Einen deutlichen Unterschied gibt es jedoch zwischen diesen Gruppen: Nur vier der Kinder, die das Ergebnis einer Eispende waren, und zwei der Kinder aus Samenspenden wussten von ihrem Ursprung. Dagegen waren 26 der unter In-vitro-Fertilisation gezeugten Kinder von ihren Eltern über die Umstände ihrer Entstehung informiert worden.

MEDICA.de; Quelle: Fertility and Sterility 2006, Vol. 85, S. 610-618