Klammern oder Nähen, bei Operation der Bauchspeicheldrüse egal

Foto: Klammernaht an Bauchspeicheldrüse, Zeichnung

Verschluss des Pankreas-Gewebes
mit einem Klammernahtgerät
(Stapler); © Universitätsklinikum
Heidelberg

Die DISPACT-Studie wurde an 21 europäischen Zentren durchgeführt und ist mit 352 Patienten die größte ihrer Art. Federführend war das Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC) an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Da die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) sehr porös und schwer zu nähen ist, stellt die Fistelbildung nach der Operation mit circa 30 Prozent eine häufige Komplikation dar. Durch die Fistel tritt das Sekret der Bauchspeicheldrüse in den Bauchraum aus und kann als aggressiver Verdauungssaft umliegende Gewebe angreifen.

Die am häufigsten angewendeten chirurgischen Techniken sind die Durchtrennung der Bauchspeicheldrüse und der Verschluss mit Klammernahtgerät (Stapler) oder das Durchtrennen mit dem Skalpell und der Verschluss per Handnaht. Bislang war nicht bekannt, welche Technik effektiver ist; vorangehende klinische Untersuchungen hatten kein definitives Ergebnis gebracht.

Im Rahmen der DISPACT-Studie wurden 352 Patienten operiert, davon 177 mit der Klammertechnik und 175 mit der Handnaht. Innerhalb der ersten sieben Tage nach der Operation entwickelten 31,6 Prozent der geklammerten und 28 Prozent der genähten Patienten eine Fistel. Dieser Unterschied ist allerdings statistisch nicht signifikant. Im gesamten Beobachtungszeitraum von 30 Tagen entstand bei insgesamt einem Drittel der Patienten eine postoperative Fistel. Unabhängig von der angewandten Operationstechnik verlängerte sich der Krankenhausaufenthalt um durchschnittlich sechs Tage bei Auftreten einer Fistel.

„Frühere Studien zum Vergleich der beiden Techniken hatten kleine Fallzahlen, waren uneinheitlich und im Nachhinein erstellt worden. Unsere qualitativ hochwertige Studie lässt nun den Schluss zu, dass beide Operationstechniken gleichwertig sind. Aus wirtschaftlichen Gründen könnte sich in Zukunft die Handnaht durchsetzen. Ich halte es aber für zu früh, hier von einem Trend zu sprechen“, erklärt Doktor Markus Diener, stellvertretender Ärztlicher Geschäftsführer des SDGC in Heidelberg.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg