Kleine Begleiter: Wie Wearables unser Leben verändern

Sie sind überall zu sehen: An Handgelenken, im Ohr, an den Gürtel geklippt. Wearables. Kleine technische Helfer, die gebaut wurden, um Daten über ihre Benutzer zu sammeln und teilweise auch auszuwerten. Zum Teil fragen sie messbare Gesundheitsdaten ab, etwa Körpertemperatur oder Herzschlag, andere zählen „nur“ die Schritte der Anwender oder messen die vorhandene UV-Strahlung. Fakt ist, dass Wearables im Trend liegen und vielfach genutzt werden.

01.09.2015

 
Foto: Mann mit Smartphone und Smartwatch

Wearables wie das Smartphone oder die Smartwatch sieht man mittlerweile sehr häufig; © panthermedia.net/ Andriy Popov

Daten aufzuzeichnen und zu sammeln ist eine Beschäftigung, die Menschen seit jeher Spaß macht. Wetteraufzeichnungen reichen viele Jahrhunderte zurück, ebenso wie manche Ahnentafel. Auf die eigene Person bezogen dienen gesammelte Daten oft als Motivationshilfe. Das Gewicht wird notiert, um zu sehen ob man selbiges verliert. Die gelaufenen Kilometer aufzuschreiben macht deutlich, ob es zu einer Leistungssteigerung gekommen ist. Das alles ist nicht neu. Neu sind jedoch die Hilfsmittel, mit denen diese Daten gesammelt werden. Längst hat das Notizbuch ausgedient. Moderne Apps oder speziell entwickelte Wearables helfen, Daten zu sammeln und zu speichern. Anwender, die Daten über die eigene Leistung beziehungsweise Körperfunktionen sammeln, bezeichnen dies als Self-Tracking oder, in einem weiter gefassten Sinne, auch als „Quantified Self“. Letzteres hebt den Willen, sich und auch seine Umwelt zu verbessern noch stärker heraus.

Während Spitzensportler bereits seit langem versuchen durch die Erfassung von Vitalitätsparametern ihre Leistung zu verbessern, hat dieser Trend die große Masse erst erfasst, seit es einfache Apps für das Smartphone gibt. Vielfach auf den Geräten bereits vorinstalliert, laden Sie dazu ein die eigenen Schritte zu zählen oder die Herzfrequenz zu messen. Doch was macht ein Wearable eigentlich aus? Christian Stammel, Gründer von WT | Wearable Technologies formuliert es folgendermaßen: “Wir definieren “Wearables” als elektronische Geräte, die am, auf oder sogar im Körper getragen werden. Diese können verschiedene Formen annehmen, zum Beispiel als Armband, Brille oder sogar als „Smart Patch“. In den letzten Jahren wurde Technologie in viele verschiedene tragbare Geräte integriert. Entwicklern gelingt dies dank neuer innovativer Hardware, die extra dafür designt wurde. Mit Sicht auf die verschiedenen Zielmärkte kann man die Geräte in unterschiedliche Kategorien einteilen: Sport & Fitness, Gesundheit & Wellness, Schutz & Sicherheit sowie Lifestyle & Wellness.“

Foto: Person nimmt rote Pille zu sich

Ebenfalls unter den Begriff „Wearable“ fallen elektronische Pillen, die geschluckt werden. Mit kleinen Kameras ausgestattet, kann ihr Weg durch den Körper verfolgt werden. So lassen sich unter Umständen Magengeschwüre oder Darmkrebs aufspüren (Symbolbild); © panthermedia.net/ ginasanders

Wearable statt Arztbesuch

Besonders der Bereich "Gesundheit" wird immer wieder heiß diskutiert, da die dort gesammelten Daten zum einen an Dritte, etwa Ärzte, Versicherungen oder Krankenhäuser, weitergegeben werden (sollen). Zum anderen müssen sie besonders hohe Ansprüche erfüllen: "Medizinische Produkte müssen hohen Zertifzierungsstandards gerecht werden, besonders wenn sie rund um die Uhr getragen werden sollen", so Stammel. Und weiter: "Es gibt einige Produkte auf dem Markt, die zum Sammeln von Gesundheitsdaten genutzt werden können. Diese haben nicht notwendigerweise eine CE-Kennzeichnung oder ähnliche Zulassung. Das heißt, ein Arzt darf diese Daten nicht offiziell zur Diagnoseerhebung verwenden – sie geben ihm aber einen Einblick für die Anamnese. Diese Produktkategorie wird derzeit auch intensiv von den Krankenversicherungen untersucht, da sie einem interessanten Lösungsansatz für die verschiedenen Probleme des kränkelnden Gesundheitssystems aufzeigen. Natürlich sollten diese Produkte, auch wenn sie nicht für den medizinischen Bereich zertifiziert sind, immer den technischen Standards des Marktes entsprechen auf dem sie verkauft werden sollen."

Kann ein Wearable also den Gang zum Arzt ersetzen? Das wohl eher nicht. Allerdings bieten die neuen Technologien möglicherweise chronisch kranken Menschen einen Vorteil – zum Beispiel wenn der Blutzuckerspiegel oder der Blutdruck per Datenübermittlung regelmäßig vom Arzt überprüft werden kann. Die Patienten könnten dann bei Bedarf zum Arztbesuch aufgefordert werden. Das würde Ressourcen einsparen. Und auch in der Rehabilitation könnten bestimmte Geräte eingesetzt werden, um die Leistungssteigerung von Patienten zu dokumentieren.

Ob der Trend, dass Arbeitgeber oder Krankenkassen die Benutzung von Wearables bezuschussen, sich weiter fortsetzt, muss hingegen die Zeit zeigen. Während in den USA schon verschiedene Firmen und Versicherer diesen Weg gehen, wird in Deutschland immer noch über den Schutz der Daten diskutiert beziehungsweise darüber, ob eine Solidaritätsgemeinschaft "Lifestyleprodukte" bezuschussen sollte. Mit diesen Worten lehnte IKK Südwest-Vorstand Roland Engehausen das Vorhaben im August noch strikt ab, während sich die AOK Nordost dazu entschlossen hat künftig 50 Euro zu einem Wearable beizusteuern. Wie viele der AOK-Versicherten davon Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten. Sicher scheint, dass die nächsten Jahre spannend bleiben werden für alle, die den Weg der Wearables und ihrer Möglichkeiten aufmerksam verfolgen.

Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Simone Ernst
MEDICA.de