Kleiner Zellfortsatz mit großer Wirkung

11/11/2014
Foto: Frau misst ihren Blutzucker

Die Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen Zilien und Diabetes hin; ©panthermedia.net/ Piotr Marcinski

Zilien sind winzige Fortsätze an Zellen, ihnen kommen viele wichtige Funktionen zu. Ein Wissenschaftsteam unter der Leitung von Dr. Jantje Gerdes und Prof. Per-Olof Berggren konnten nun zeigen, dass auf den Zilien von Betazellen in der Bauchspeicheldrüse Insulinrezeptoren sitzen.

Damit spielen die Zellfortsätze eine wichtige Rolle für die Insulinausschüttung. Eine veränderte Zilienfunktion kann mit der Entstehung eines Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

Das Wissenschaftlerteam vom Helmholtz Zentrum München (HMGU) in Zusammenarbeit mit dem Karolinska Institut (KI), Stockholm, und dem University College London untersuchte die Funktion von ziliären Zellfortsätzen in der Bauchspeicheldrüse. Werden die insulinbildenden Betazellen stimuliert, finden sich vermehrt Insulinrezeptoren auf ihren Zilien. Die Zilien spielen somit eine wichtige Rolle für die Ausschüttung und die weitere Signalübertragung des zuckersenkenden Hormons Insulin.

Das Team um Dr. Jantje Gerdes vom Institut für Diabetes- und Regenerationsforschung am HMGU fand im Tiermodell deutlich erhöhte Blutzuckerspiegel, wenn Zilien genetisch bedingt vermindert oder funktionseingeschränkt waren. Auch die Insulinausschüttung war im präklinischen Modell mit defekten Zilien reduziert.

„Schon länger ist bekannt, dass Typ-2- Diabetes bei Personen mit einer Ziliopathie – also einer krankhaften Veränderung der Zilienfunktion – überdurchschnittlich häufig auftritt. Unsere Ergebnisse bestätigen diese Beobachtung und liefern zudem die Erklärung, wie Zilien mit dem Zuckerstoffwechsel und Diabetes zusammenhängen“, erklärt Gerdes.

Prof. Per-Olof Berggren vom KI ergänzt: „Ziliäre Dysfunktion und eine gestörte Zuckerverwertung hängen direkt zusammen. Ziliopathien besitzen daher eine potentielle Modellfunktion, um viele noch unbekannte Mechanismen, die Diabetes zugrunde liegen, zu erforschen.“

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt