Kleines Viren-Molekül bringt Zellen zum Absterben

Einfach aber effektiv aufgebaut:
Das Influenza A Virus; © PHIL

Das Influenza A-Virus, kurz IAV, löst immer wieder weltweite Grippe- Epidemien aus und tötet dabei Zehntausende, manchmal sogar Millionen von Menschen. Der Grippeerreger IAV bringt eine denkbar spartanische Molekül-Ausstattung mit: Nur zehn verschiedene Proteine, so glaubte man bis vor kurzem, sind als Baupläne in seinen Genen angelegt - höher entwickelte vielzellige Organismen wie der Mensch verfügen dagegen über mehrere zehntausend, Bakterien immerhin über einige hundert.

So viele braucht das Virus allerdings nicht, da es sich bei der Vermehrung und Verbreitung einfach der biochemischen Maschinerie der befallenen Wirtszelle bedient. Mittlerweile haben Forscher ein elftes Protein des Influenza A-Virus gefunden, eben das PB1-F2. Seine mutmaßliche Funktion ist es, Zellen zu töten - wahrscheinlich als Teil der "Konter-Maßnahmen" des Virus im Kampf gegen das Immunsystem des Wirtsorganismus.

Mit spektroskopischen, biochemischen und molekularbiologischen Methoden haben Wissenschaftler jetzt die Struktur des PB1-F2-Moleküls analysiert. Ihr Ergebnis: "Der Aufbau des Proteins lässt darauf schließen, dass es Membranen zerstört, besonders die Membranen der Mitochondrien, die die Zelle mit Energie versorgen", erklärt Dr. Victor Wray, Arbeitsgruppenleiter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

"Interessanterweise kennt man sehr ähnliche Proteine beim AIDS-Erreger HIV und beim HTLV-Virus, das Leukämien auslösen kann", sagt Prof. Ulrich Schubert, Virologe an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Wenn sich diese Viren tatsächlich gemeinsamer Mechanismen bedienen, dann könnten Medizin und Pharmazie vielleicht eines Tages auch mit sehr ähnlichen Strategien gegen sie vorgehen."

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung