Knochen heilen mit einem künstlichen Gel-Schwamm

18.02.2015
Bild: Fotocollage zur Herstellung und Wirkung des Gels

Strukturierte Hydrogele, die formstabil und elastisch sind sowie in individueller Größenordnung hergestellt werden können, sind in einem einfachen Herstellungsprozess verfügbar. Sie unterstützen Zellhaftung und –ausdifferenzierung und zeigen eine zunehmende Porengröße während des Zerfalls. In-vivo-Experimente zeigen ihre Effizienz in biomaterial-induzierter Knochenregeneration, die keinen Zusatz von Zellen oder Wachstumsfaktoren erforderlich macht; ©Helmholtz Zentrum Geesthacht

Nicht immer wächst fehlendes Knochenmaterial von selbst nach. Forscher des Teltower Instituts für Biomaterialforschung haben jetzt Forschungsergebnisse vorgestellt, die zeigen, dass mit Hilfe einer vorübergehend eingesetzten schwammähnlichen Struktur ein kritischer Knochendefekt einer Ratte in wenigen Wochen ausheilt.

Das durch Aufschäumen aus Gelatine hergestellte Material ist offenporig, sodass Körperzellen, aber auch Sauerstoff und Nährstoffe leicht in die rund 0,2 mm großen Zwischenräume einwandern können.

Der Ausgangsstoff Gelatine - also tierisches Eiweiß - sorgt dafür, dass die ersten knochenbildenden Zellen direkt an Molekülen dieses "ArcGel" (architectured hydrogel) anwachsen können. So entwickelt sich schnell die fehlende Knochensubstanz.

Eine besondere Herausforderung war es, die Grob- und Feinstruktur so hin zu bekommen, dass das Material elastisch und genügend formstabil ist, um den Knochenzellen eine günstige Umgebung zur Verfügung zu stellen.

An der Forschung für ArcGel waren außer Wissenschaftlern des Teltower Instituts für Biomaterialforschung, das zum Helmholtz-Zentrum Geesthacht gehört, auch weitere Forscher aus Berlin und Rostock beteiligt.

Zusätzliche Zellen oder Wachstumsfaktoren sind nicht nötig. Ein Vorteil ist auch, dass ArcGel im Laufe von etwa acht Wochen von selbst abgebaut wird. Zunächst verschwinden dabei nach und nach die Zwischenwände.

Die Forscher vermuten, dass der Aufbau des Knochengewebes dieser Vergrößerung der Poren im Laufe der Zeit folgt - und dies zur Stabilität der neuen Knochensubstanz beiträgt.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung