In der Regel vermindern Kopfschmerzen die Lust auf sexuelle Aktivitäten. Außer bei einigen Migränepatienten, wie Dr. Timothy T. Houle und seine Arbeitsgruppe an der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, USA, herausgefunden haben. Sie testeten die Hypothese, wonach sowohl Migräne als auch die sexuelle Libido mit dem Serotoninstoffwechsel im Gehirn zu tun haben.

Die Arbeitsgruppe gewann 59 Kopfschmerzpatienten für diese Studie. Alle wurden mindestens zehn Mal im Jahr von Kopfschmerzattacken heimgesucht. Bei 23 Teilnehmern wurde eine Migräne diagnostiziert, bei 36 Kopfschmerzen vom Spannungstyp.

Alle Probanden füllten den Test "Sexual Desire Inventory (SDI)" aus, bei dem verschiedene Parameter der sexuellen Betätigung abgefragt wurden. Insgesamt berichteten die Männer über ein durchschnittlich 24 Prozent höheres sexuelles Interesse als die Frauen. Interessanterweise gab es aber auch einen deutlichen Unterschied zwischen den Patienten mit Migräne und jenen mit Spannungskopfschmerz. Bei den Migränepatienten war dieses Interesse im Durchschnitt 20 Prozent höher.

Was die Untersucher aber am meisten erstaunte: Die Migränepatienten waren sich ihres hohen sexuellen Interesses offenbar bewusst. Gefragt, wie sie ihr eigenes sexuelles Verlangen im Vergleich zum sexuellen Verlangen gleichaltriger gesunder Menschen einschätzen, stuften die Migränepatienten ihren eigenen sexuellen Appetit durchweg höher ein als bei gesunden Gleichaltrigen.

Damit wird die Serotonin-Hypothese zwar vordergründig unterstützt. Doch selbst die Studienautoren warnen: Sexuelles Interesse ist ein zu komplexer Vorgang, um ihn nur anhand des Serotoninstoffwechsels zu bewerten.

MEDICA.de; Quelle: Headache 2006, Vol. 46, S. 983-990