Krankenhäuser: Kostendruck bei herzmedizinischen Leistungen steigt

07.05.2014
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Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen, unter anderem weil sie für dieselben Prozeduren von Jahr zu Jahr weniger Geld erhalten; © panthermedia.net/
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Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen. Das liegt unter anderem an Besonderheiten des Abrechnungssystems, die dazu führen können, dass Krankenhäuser für ein und dieselbe Prozedur von Jahr zu Jahr weniger Geld erhalten.

Unter diesen Bedingungen die hohen Leistungsstandards und die Qualität aufrecht zu erhalten, wird zunehmend schwieriger, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. „Die Länder kommen ihren Investitionsverpflichtungen immer weniger nach. Darüber hinaus rechnen bundesdeutsche Krankenhäuser damit, im Jahr 2014 für gleiche oder sogar bessere Leistungen der Herz-Kreislauf-Medizin fast 10 Prozent weniger Geld zu bekommen als noch im Vorjahr“, so Dr. Lutz Frankenstein (Universitätsklinikum Heidelberg, Mitglied der Projektgruppe „Leistungsbewertung in der Kardiologie“ der DGK). „Der Spardruck, der auf den kardiologischen Abteilungen lastet, ist enorm.“ Die Statistik zeigt einen steilen Anstieg der Krankenhäuser mit negativem Jahresergebnis, aktuell sind bereits 51 Prozent der Häuser betroffen.

„Das ist aber fast immer nicht die Folge von schlechtem Management, sondern zu einem wesentlichen Teil in den Besonderheiten des Vergütungssystems im Gesundheitswesen begründet“, sagt Frankenstein. Eine dieser Besonderheiten ist der „Katalogeffekt“, also die sich über die Jahre verändernde Bewertung identischer Fälle. „Die vom Gesetzgeber mit dem Fallpauschalensystem etablierten Rahmenbedingungen belasten damit die Kardiologien immer schwerer. Das funktioniert so: Eine Stichprobe von knapp 250 deutschen Krankenhäusern meldet ihre Kosten an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK), das dann auf dieser Basis die neuen Fallpauschalen kalkuliert. Das bedeutet, dass aus unseren Kosten von 2012 die Vergütung für 2014 wurden“, erklärt Frankenstein.

Die Konsequenz: Erfolgreiches Sparen seitens der Krankenhäuser führt dazu, dass die niedrig gehaltenen Kosten eines Jahres zwei Jahre später niedrigere Fallpauschalen und damit höheren Kostendruck ergeben. Ein Beispiel dafür ist die Implantation eines medikamentenfreisetzenden Stents, die im Jahr 2009 mit rund 700 Euro vergütet wurde und im Jahr 2014 der Abteilung gerade etwas mehr als 200 Euro bringt.

Ein weiterer belastender Faktor für die Budgets der Krankenhäuser und insbesondere der innovationsorientierten kardiologischen Abteilungen ist die Weiterentwicklung der Medizin. Alle größeren Innovationen werden vom InEK vorab begutachtet. Dennoch ist selbst bei positivem Gutachten unklar, ob die Kosten in vollem Umfang oder nur zu einem kleinen Anteil von den Krankenkassen übernommen werden. Bei Weiterentwicklungen etablierter Behandlungen ist dies noch einmal anders: Verteuern kleine Weiterentwicklungen eine Behandlungsmethode, so fließt diese Entwicklung erst nach mindestens zwei Jahren in die Kalkulation der Fallpauschalen ein. In der Zwischenzeit muss die Differenz aus dem Budget des Krankenhauses abgedeckt werden – ein Spagat, der zunehmend an die Substanz geht.

„Dabei wird die Zusammenarbeit der DGK mit dem InEK und dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) von beiden Seiten als vertrauensvoll und positiv empfunden“, so Frankenstein. So ist es in einigen Bereichen gelungen, innovative, medizinisch wichtige und durch Evidenz belegte Behandlungspfade in entsprechende Fallpauschalen abzubilden, die einer Anwendung auf breiter Basis entgegenkommen. Dies gilt etwa für den Ischämie-Nachweis mittels Myokardszintigraphie oder auch Druckdraht, eine Methode, mit der das Ausmaß der Beeinträchtigung des Herzmuskels bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit abgeschätzt werden kann. Diese Untersuchungen helfen bei der Frage, ob ein Patient die Versorgung eines Herzkranzgefäßes mittels Stent überhaupt benötigt, oder nicht. Das ist gleichermaßen für die bestmögliche medizinische Versorgung der Patienten, wie auch mit Blick auf die Kosten sinnvoll.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.