Krank durch Kristalle

Die Staublunge der Bergarbeiter wird durch Quarzsand ausgelöst und Harnsäurekristalle in den Gelenken verursachen Gicht. Selbst bei der neurodegenerativen Alzheimerschen Erkrankung spielen kristalline Strukturen eine Rolle. In all diesen Fällen reagiert der Körper mit einer chronischen Entzündung.

"Unabhängig von ihrer Struktur setzen alle Kristalle die gleiche Immunreaktion in Gang", berichtet LMU-Mediziner Franz Bauernfeind. "Und immer ist das Protein Nalp3 wesentlich daran beteiligt, weil es ganz universell Gefahrensignale im Körper erkennt. Als zentraler Faktor verschiedener Entzündungsmechanismen wird es künftig sicher ein wichtiges Zielmolekül der pharmakologischen Forschung sein."

Man weiß bereits, dass Kristalle und ähnliche Strukturen eine massive Entzündungsreaktion im Organismus verursachen. "Wir konnten jetzt aber erstmals beschreiben, welche molekularen Mechanismen dies auslösen", so Bauernfeind. "Dabei zeigen wir, dass Entzündungen durch Kristalle auf der Freisetzung eines bestimmten Immunfaktors beruhen, dem Botenstoff Interleukin-1. Dabei reagiert der Körper auf alle Kristalle gleich, also unabhängig von ihrer spezifischen Struktur."

Denn alle diese Strukturen - ob kristallines Material oder aggregierte Proteine - werden in der Abwehrreaktion des Körpers von Immunzellen aufgenommen. Der Versuch der Zelle, diese Fremdkörper dann in bestimmten Unterabteilungen, den Phagolysosomen, abzubauen, schlägt meist aber fehl. Weil der Körper die kristallinen Fremdkörper nicht beseitigen kann, entstehen dann chronische Entzündungen.

Dank der neuen Ergebnisse ist nun klar: Die Kristalle in den Phagolysosomen führen zur Beschädigung dieser zellulären Untereinheiten. Dadurch aber werden Protein abbauende Enzyme in das Zellinnere abgegeben. Für den Körper ist dies ein Signal, auf das er mit einer Entzündung antwortet.

MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München