Bild: Ein Krankenhauskorridor 
Kinder mit ADHS sind im Osten
öfter im Krankenhaus als im
Westen; © Pixelio.de

Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität sind die Symptome der hyperkinetischen Störung - auch bekannt als Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung (ADHS), von der meist Kinder und Jugendliche betroffen sind.

Eine Untersuchung durch Professor Dr. Andreas Stang vom Universitätsklinikum Halle ergab nun, dass diese Erkrankung in Ostdeutschland fast drei Mal häufiger im Krankenhaus behandelt wird als in den westlichen Bundesländern. Dies könne zum einen auf die deutlich geringere Zahl ambulant tätiger Kinder- und Jugendpsychiater in den neuen Bundesländern und zum anderen auf einen durchschnittlich höheren Schweregrad der Erkrankung im Osten zurückgeführt werden.

Professor Dr. Andreas Stang vom Universitätsklinikum Halle untersuchte anhand der bundesweiten Krankenhausdiagnosestatistik die Hospitalisationsrate von hyperkinetischen Störungen. Von den behandelten männlichen Patienten waren 97 Prozent und von den weiblichen 92 Prozent im Alter von bis zu 19 Jahren. Wobei die Hospitalisationsrate bei männlichen Patienten um den Faktor 5 größer war als bei der weiblichen Bevölkerung. Auch die Behandlungsdauer war deutlich länger als bei Mädchen und jungen Frauen.

Die Rate der Krankenhausbehandlungen war bei der männlichen Bevölkerung mit 25.3 pro 100.000 Einwohner in den fünf östlichen Bundesländern fast drei Mal so hoch wie in den westlichen Ländern. Dort lag die Quote bei 8,7. Ein ähnliches Verhältnis stellte der Epidemiologe bei der weiblichen Bevölkerung fest.

"Eine plausible Teilerklärung für diesen Unterschied ist die niedrigere Ärztedichte ambulant tätiger Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten in Ostdeutschland", erklärt der hallesche Professor. Allerdings habe die Studie auch gezeigt, dass die Ärztedichte zwar ein statistisch relevanter Faktor sei, jedoch als alleinige Ursache nicht in Frage komme. Möglicherweise spielten bei den Unterschieden der Häufigkeit der Neuerkrankung auch "umweltbedingte Risikofaktoren" eine Rolle.

MEDICA.de; Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg