Geriatrie: Krankenhausplan für eine bessere Versorgung

05.08.2013
Foto: Hand eines älteren Menschen

Die medizinische Versorgung älterer Patienten kann nun individuell angepasst und optimiert werden; © panthermedia.net/melpomen

Die Etablierung des Krankenhausplans NRW 2015 ist ein Durchbruch für die Altersmedizin. Denn gerade sehr alte Patienten bedürfen einer anderen Ansprache, mehr Zuwendung, einer Medikation mit Blick auf die primär führende Erkrankung, eines ganzheitlichen Therapieansatzes – schlichtweg einer fachkundigen Behandlung durch einen Spezialisten, einem Geriater.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen wird hierbei zum Vorbild: So stärkt der jetzt in Kraft getretene Krankenhausplan 2015 die patientenorientierte Altersmedizin. Die Bettenzahlen werden in Zukunft um 13,3 Prozent auf 4.653 deutlich steigen. Viel wichtiger jedoch: Die Kliniken werden nun verpflichtet, bei Übernahme eines Patienten über 75 Jahren ein geriatrisches Screening durchzuführen. Entsprechend kann die medizinische Versorgung älterer Patienten individuell angepasst und deutlich optimiert werden.

Wenn heute ein alter Mensch ins Krankenhaus kommt, wird er nicht zwangsläufig durch einen auf seine Bedürfnisse spezialisierten Arzt behandelt. Auch wird er nicht durch gezielte Fragen und Tests, ein sogenanntes geriatrisches Screening, auf eine Demenz, Hilfsbedürftigkeit im Alltag oder die Häufung mehrerer Krankheiten hin untersucht. „Doch nur auf diese Art und Weise lässt sich ein geriatrischer Versorgungsbedarf ermitteln“, erklärt Professor Ralf-Joachim Schulz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). „Viele Patienten, die von einer gezielten geriatrischen Behandlung profitieren würden, werden noch nicht erkannt und finden den Weg nicht zu uns Spezialisten.“

Dies soll sich in NRW ab 2015 grundlegend ändern. Vier wesentliche Punkte werden jetzt in dem am 23. Juli 2013 verabschiedeten Krankenhausplan NRW 2015 berücksichtigt:

1. Patienten über 75 Jahren werden zukünftig in Notaufnahmen besonders gescreent und untersucht.

2. Die Bettenanzahl in der Geriatrie wird erhöht.

3. Krankenhäuser werden verpflichtet, Behandlungspfade und Kooperationen mit Geriatrien einzugehen und einen Versorgungsverbund einzurichten.

4. Es sollen große geriatrische Zentren aufgebaut werden, um die Weiterbildung der behandelnden Mediziner zu gewährleisten.

„Wir freuen uns sehr, dass es endlich gelungen ist, die stationäre Versorgung von geriatrischen Patienten zu verbessern“, so Schulz. „Dafür setzen sich unsere Fachgesellschaft und der Bundesverband Geriatrie seit langem ein.“ In Zusammenarbeit wurde die neue Versorgungsstruktur entwickelt, die ab 2015 die stationäre Versorgung älterer Menschen in NRW umfassend sicherstellen wird.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)