Internationaler Vergleich: Krankenhausvergütung auf dem Prüfstand

19/04/2013
Foto: Geld und Stethoskop

Ein internationaler Vergleich zeigt star-
ke Unterschiede in den europäischen Vergütungssystemen für Krankenhäu-
ser; © panthermedia.net/Erwin Wodicka

Die TU Berlin untersuchte die Krankenhaus-Vergütung in europäischen Ländern und verglich erstmals die europäischen Systeme mit dem amerikanischen Vergütungsmodell. In Europa herrschen große Unterschiede in der Klassifizierung von Patientengruppen.

Obwohl die Vergütungssysteme in Europa auf einem ähnlichen Prinzip beruhen, unterscheiden sie sich beträchtlich. Zusammen mit elf europäischen Partnern hat Professor Reinhard Busse, Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, einen systematischen Überblick über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von zwölf europäischen Krankenhaus-Vergütungssystemen erstellt.

Grundsätzlich beruht die Krankenhaus-Vergütung in vielen europäischen Staaten auf den sogenannten „Diagnosis Related Groups“ (DRGs). Eine DRG beschreibt eine Gruppe von Patienten mit ähnlichen klinischen Merkmalen, die einen ähnlichen Ressourcenaufwand erfordern. Dabei differenzieren die DRGs meistens auch nach dem Schweregrad der Krankheit. Einige Länder, zum Beispiel Deutschland, setzen pro DRG eine Fallpauschale fest, die die Krankenhäuser abrechnen dürfen. Dieses ursprünglich in Amerika entwickelte System zur Klassifizierung von Patientengruppen ist heute Grundlage der Vergütungssysteme der Krankenhäuser in fast allen europäischen Ländern.

Die Anzahl der möglichen DRGs schwankt dabei beträchtlich, von unter 600 verschiedenen DRGs in Polen bis zu rund 4400 in den Niederlanden. „Fast jedes Land hat seine eigenen DRGs“, so Doktor Wilm Quentin, Mitarbeiter von Professor Busse.

Bei Patienten mit Herzinfarkt wird zum Beispiel in England und Österreich nicht unterschieden, ob die Patienten bestimmte Komplikationen oder Begleiterkrankungen zeigen. Daher erhalten Krankenhäuser für komplizierte Fälle die gleiche Bezahlung wie für weniger komplizierte Fälle. Das gleiche trifft zum Beispiel auch auf Schlaganfallpatienten zu. Es ist das erklärte Ziel dieser Forschung, dazu beizutragen, dass im Dialog mit Ärzten und Entscheidungsträgern, Vergütungssysteme in den einzelnen Partnerländern transparenter und gerechter gestaltet werden.

Außerdem verglichen die Forscher die europäischen Vergütungssysteme mit dem der USA. „Unser Vergleich zeigt, dass, obwohl die Systeme in den USA und Europa nur bedingt vergleichbar sind, die USA an einigen Stellen von den Erfahrungen der europäischen Systeme profitieren könnten.“ Wird in den USA ein Patient entlassen und zwei Tage später mit dem gleichen Krankheitsbild wieder eingeliefert, so kann das Krankenhaus dort erneut eine Fallpauschale abrechnen. In einem vergleichbaren Fall in Deutschland oder England kann das Krankenhaus nur dann eine neue Fallpauschale berechnen, wenn die Entlassung mehrere Wochen zurück liegt. „Ziel ist es, Krankenhäuser anzuhalten, Patienten erst dann zu entlassen, wenn sie wirklich genesen sind“, so Quentin.

„Ganz generell zeigt der Vergleich, dass die Vergütungssysteme in vielen europäischen Staaten breitere, aktuellere und genauere Informationen heranziehen, um Fallpauschalen festzulegen, die dann einen umfassenderen Geltungsbereich haben als in den USA. Dabei berücksichtigen sie auch eher den Schweregrad einer Erkrankung. Im Ergebnis reflektieren die europäischen DRGs daher besser die tatsächlichen Kosten“, summiert Quentin.

MEDICA.de; Quelle: TU Berlin