Krebs: Bessere Verfügbarkeit von Tests erleichtert Prävention

29.09.2015
Grafik: Kleines Männchen steht auf Gentest-Ausdruck

Keimbahnmutationen in einem der beiden Brustkrebsgene BRCA1 oder BRCA2 erhöhen das Krebsrisiko bei beiden Geschlechtern. Sie lassen sich mit einem Test feststellen, sodass frühe Präventionsmaßnahmen möglich werden; ©panthermedia.net/ filmfoto

Mutationen der Gene BRCA 1 und BRCA 2 führen bei den Betroffenen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Krebserkrankung. Diese Mutationen sind mittels eines Gentests nachweisbar. Die Einführung eines neuen Medikaments hat die Therapiemöglichkeiten verbessert.

Das, sowie gesteigerte Aufmerksamkeit und ein niederschwelliger Zugang haben dementsprechend die Zahlen der Gentests an der MedUni Wien im vergangenen Jahr verfünffacht. Dadurch werden mehr Risikopatienten erkannt und frühzeitige Präventionsmaßnahmen ermöglicht.

Keimbahnmutationen in einem der beiden Brustkrebsgene BRCA1 oder BRCA2 erhöhen das Krebsrisiko bei beiden Geschlechtern, allerdings sind Frauen besonders betroffen. So erkranken diese mit 87-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom und mit etwa 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Eierstockkrebs. Schätzungen zufolge hat eine von 400 bis 700 Frauen in Österreich eine solche Mutation.

Eine molekulargenetische Untersuchung auf diese Keimbahnmutation wird an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien und dem AKH Wien seit fast 20 Jahren angeboten. Während bis vor kurzem die genetische Testung ausschließlich dazu diente, Frauen mit einer BRCA-Mutation zu identifizieren und ihnen eine individualisierte Form der Früherkennung zu ermöglichen beziehungsweise vorbeugende Operationen anzubieten, so hat ein positives Mutationsergebnis durch die Entwicklung einer neuen Generation von Krebsmedikamenten nun auch eine therapeutische Konsequenz. Medikamente mit dem neuen Wirkstoff Olaparib sorgen bei Eierstockkrebs-Patientinnen mit BRCA-Mutationen für signifikante Therapieverbesserungen.

Da diese Mutationen vererbbar sind, wurden die Kosten für den recht kostspieligen Test bisher nur für Personen mit bereits bekannten Krebsfällen in der Familie angeboten. Neu ist, dass nun auch Frauen mit einem Ovarialkarzinom auch ohne Vorhandensein einer Familienanamnese einen derartigen Test durchführen lassen können. "Für Patientinnen mit Eierstockkrebs, die eine solche Mutation besitzen, gibt es diesen Wirkstoff, der bei der Therapie große Erfolge bringt", erklärt Christian Singer, Professor für Klinisch-translationelle Gynäkologische Onkologie Onkologe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien anlässlich des bevorstehenden Brustkrebsmonats im Oktober, "deshalb werden Betroffene hier jetzt ebenfalls auf diese Mutationen getestet".

Die MedUni Wien nimmt mit dem Angebot des Tests österreichweit eine Vorreiterrolle ein. 80 Krebsberatungsstellen (Kliniken, Ordinationen) aus ganz Österreich schicken Blutproben zur Testung an die Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien ins AKH Wien. "Die zentrale Durchführung des Tests und der niederschwellige Zugang haben europaweit Modellcharakter", erklärt Singer, "das und die Tatsache, dass die Krankenkassen den Test jetzt auch für Eierstockkrebs-Patientinnen bezahlen, hat dazu geführt, dass wir fünfmal so viele Tests wie bisher durchführen." Die dabei gesammelten Daten werden von der MedUni Wien in zahlreichen wissenschaftlichen Forschungsarbeiten ausgewertet.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien

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