Die Screening-Leitlinien für das kolorektale Karzinom gehen von einer Reihe Risikofaktoren aus, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einem solchen Karzinom zu erkranken. Daher bestimmen sie auch das Intervall von kolorektalen Kontrolluntersuchungen.

Man weiß zum Beispiel, dass Ovarial- und Endometriumkarzinome das Risiko eines folgenden kolorektalen Karzinoms erhöhen, ebenso verschiedene genetische Dispositionen. Bislang ist aber nicht bekannt, ob auch urologische Karzinome das Risiko eines nachfolgenden Kolonkarzinoms erhöhen oder umgekehrt.

Nun haben Wissenschaftler Daten zu dieser Frage geliefert. Sie untersuchten retrospektiv Fälle aus der „Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) program database“, die Krebsfälle aus den Jahren 1973 bis 2000 enthält. Darin beschrieben sind die Fälle von 52.449 Patienten, die in diesem Zeitraum an einem Nierenkarzinom erkrankten. 3.744 weitere Patienten litten an einem Ureterkrebs und 124.376 Personen waren von einem Blasenkrebs betroffen.

Unter all diesen Patienten gab es 2.789, die nach der jeweiligen urologischen Krebserkrankung auch noch von einem Kolonkarzinom betroffen wurden. Das entspricht einer Inzidenz von 272,2 pro 100.000 Personenjahre. Anders ausgedrückt: Das Risiko eines Kolonkarzinom steigt um rund 13 Prozent, wenn ein Patient bereits an einem Krebs der Harnwege leidet.

Bei einem Krebs des Nierenbeckens etwa, der vor dem 50. Lebensjahr auftritt, ist das Risiko eines weiteren Kolonkarzinoms fast fünf Mal höher als in der Normalbevölkerung. Weniger dramatisch die Situation beim Harnleiterkrebs: Wird er vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert, ist das Risiko eines folgenden Kolonkarzinoms „nur“ etwa doppelt so hoch.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2008, Vol. 168, S. 1003-1009