Bild: Eine rote AIDS-Schleife 
Die gestiegene Lebens-
wartung bei HIV bringt neue
Risiken ans Licht; © Hemera

Da sich die Überlebenszeiten nach einer HIV-Infektion deutlich verbessert haben, kommen die Langzeitfolgen dieser Infektion immer stärker in den Blick. Dazu gehören auch Krebserkrankungen als Folge einer HIV-Infektion. Bislang bringt man vor allem drei Karzinomtypen mit der Immunschwächeerkrankung in Zusammenhang: das Kaposi-Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphome und Zervixkarzinome.

Verschiedene Langzeitstudien haben nun aber den Verdacht erweckt, dass auch andere Karzinomtypen bei HIV-Infizierten gehäuft auftreten könnten, darunter Hodgkin-Lymphome, Lippenkarzinome und Hodenseminome. Möglicherweise führen Vergleiche mit Organstransplantierten weiter, denn nach einer Organstransplantation wird das Immunsystem künstlich geschwächt.

Diesen Vergleich bringt nun eine Meta-Analyse, der Wissenschaftler zwölf Studien aus den einschlägigen medizinischen Datenbanken zugrunde legten. Sieben dieser Studien mit insgesamt 444.172 Probanden bezogen sich auf HIV-Infizierte und fünf Studien (31.977 Probanden) auf Organtransplantierte. Insgesamt 28 Karzinomtypen wurden in diesen Studien in Bezug auf ihre Inzidenz in den beiden Untersuchungsgruppen analysiert.

20 der 28 untersuchten Karzinomtypen treten in beiden Populationen tatsächlich häufiger auf als in der Normalgesellschaft. Die meisten dieser Karzinome haben eine bekannte infektiöse Ursache. Dazu gehören neben den drei bekannten HIV-typischen Krebsarten auch Krebserkrankungen als Folge einer Infektion mit HPV sowie Hodgkin-Lymphome, die bei HIV-Infizierten etwa 11,3-mal häufiger auftreten, bei Organtransplantierten 3,89-mal häufiger, ebenso Leberkarzinome (5,22-fach beziehungsweise 2,13-fach häufiger) und Magenkrebs (1,9-fach beziehungsweise 2,04-fach häufiger). Die meisten epithelialen Karzinome zeigen sich bei HIV-Infizierten beziehungsweise Organtranplantierten nicht häufiger.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007, Vol. 370, S. 59-67