Krebsforschung: Krebs und demografischer Wandel

04.02.2013

Foto: Ältere Menschen

Das mittlere Erkrankungsalter für Krebs liegt bei 69 Jahren; © panthermedia.net/Bernd Kröger

Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar betonen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Herausforderungen, die steigende Krebsraten an eine alternde Gesellschaft stellen.

„Demografische Chance“ ist das Motto des Wissenschaftsjahrs 2013, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Krebs ist eine Alterskrankheit. Der demographische Wandel wirkt sich auf die Zahl der Krebsneuerkrankungen daher ganz besonders aus“, sagt Professor Otmar D. Wiestler vom DKFZ. „Für die Krebsforschung und Krebsmedizin bedeutet das eine große Herausforderung. Wir müssen die Krebsprävention intensivieren, denn in der Vorbeugung liegt die große Chance für alle, die heute jung und gesund sind. Wichtig ist außerdem, Behandlungsverfahren für den älteren Patienten anzupassen.“

Das mittlere Erkrankungsalter für Krebs insgesamt liegt bei 69 Jahren für Männer und 68 Jahren für Frauen. „Aber nur wenige Krebsarten haben einen Erkrankungsgipfel im jüngeren oder mittleren Lebensalter, darunter Gebärmutterhalskrebs oder Hodenkrebs. Bei diesen Erkrankungen haben wir nur geringe altersbedingte Steigerungen zu erwarten“, sagt Professor Nikolaus Becker. „Bei der Mehrzahl der Krebsarten steigt jedoch das Erkrankungsrisiko mit dem Alter an. Dazu zählen häufige Krankheiten wie Darm- oder Prostatakrebs, aber auch Bauchspeicheldrüsen-, Magen- und Lungenkrebs.“

Wie dramatisch sich die Lebenserwartung in Deutschland innerhalb von nur zwei Generationen entwickelt hat, zeigt ein Vergleich der Geburtsjahrgänge 1949-1951 und 2009-2011: Innerhalb von gerade mal 60 Jahren stieg die Lebenserwartung um mehr als 14 (Frauen) beziehungsweise mehr als 13 Jahre (Männer). Und die aktuellen Werte liegen wiederum um zwei beziehungsweise drei Monate über denen der vorherigen Erhebung (2008-2010).

„Wichtigstes Ziel der meisten Menschen ist es, die gewonnen Lebensjahre bei guter Gesundheit zu erleben“, so Wiestler. „Auch im höheren Alter trägt gesundheitsbewusstes Verhalten noch dazu bei, das Krebsrisiko zu senken.“

Das unterstreichen aktuelle Forschungsergebnisse von Professor Hermann Brenner im DKFZ. „Viele ältere Raucher gehen fälschlicherweise davon aus, dass es für sie ohnehin zu spät sei, um von einem Rauchstopp zu profitieren“, sagt Brenner. Wissenschaftler seiner Abteilung prüften deshalb internationale Studien, die den Einfluss des Rauchens auf die Gesamtsterblichkeit bei Menschen über 60 Jahren untersuchen. Dabei achteten sie besonders darauf, wie der Einfluss des Rauchens mit dem Lebensalter zusammenhängt und ob es sich auch im höheren Alter noch lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören. Das Ergebnis: auch ältere Raucher profitieren von einem Rauchstopp, der Effekt lässt sich sogar noch für über 80-Jährige nachweisen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)