Krebsforschung an der Universität Tübingen

06.07.2015
Grafik: Krebszelle

Gemeinsam mit der Universität Würzburg sollen neue Therapieansätze für schwer behandelbare Tumore entwickelt werden; © panthermedia.net/ Jovanche Vitanovski

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet an den Universitäten Tübingen und Würzburg eine gemeinsame Forschergruppe zur Erforschung sogenannter solider, therapieresistenter Tumore ein.

Ziel der Wissenschaftler ist es, lebenswichtige zelluläre Prozesse in Tumorzellen zu identifizieren, die für eine innovative Therapie genutzt werden können. Tübinger Sprecher der Forschergruppe "Targeting Therapeutic Windows in Essential Cellular Processes for Tumor Therapy" (FOR 2314) ist Prof. Lars Zender aus der Sektion für Translationale Gastrointestinale Onkologie in der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen. Weiterer Sprecher ist sein Würzburger Kollege Prof. Martin Eilers vom dortigen Theodor Boveri Institut.

Die neue Forschergruppe wird für zunächst drei Jahren mit 2,9 Millionen Euro von der DFG finanziert. An der Universität Tübingen wird die neue Forschergruppe den bereits gut etablierten Forschungsschwerpunkt zur Translationalen Krebsforschung weiter stärken. Auf diesem Gebiet erforschen Wissenschaftler Grundlagen stets mit dem Ziel, Ergebnisse zügig in die Klinik einzubringen und so den Patienten zugutekommen zu lassen.

Bei der Erforschung neuer Ansätze für die Krebstherapie haben sich Wissenschaftler in den vergangenen Jahren auf die Unterschiede im Genom normaler Zellen im Vergleich zu Tumorzellen konzentriert. Über moderne Sequenzierverfahren lassen sich in Tumoren Gene identifizieren, die über modifizierte Proteine an der Wachstumskontrolle von Tumorzellen beteiligt sind. Nachfolgend wurden dann Pharmakotherapien zur Hemmung dieser veränderten Proteine entwickelt. Bei einigen Blutkrebserkrankungen erzielten Forscher mit dieser Methode vielversprechende Ergebnisse. Doch so bestechend das Konzept ist, bei soliden Tumoren, wie beispielsweise Karzinomen, scheint es häufig nicht aufzugehen. Die Tumorzellen reagierten dynamisch, umgingen den Angriff und wurden gegen diese molekularen Therapien resistent. Die Patienten erlitten Rückfälle.

Die Wissenschaftler der neuen Forschergruppe wollen eine andere Idee verfolgen: "Unzählige Stoffwechselprozesse sind sowohl für gesunde als auch für Tumorzellen essentiell und laufen in gleicher Weise ab", erklärt Zender. Auf den ersten Blick scheinen sie keinen geeigneten Angriffspunkt zu bieten. Doch in der Regulierung finden sich bei genauem Vergleich Unterschiede zwischen gesunden Zellen und Tumorzellen: "Tumorzellen sind von bestimmten Prozessen viel stärker abhängig als gesunde Zellen, sei es, dass bestimmte Prozesse in der Tumorzelle mit höherer Intensität ablaufen, sei es dass die Hemmung eines Stoffwechselweges nur die Tumorzelle zu Stressreaktionen veranlasst." Diese Unterschiede öffnen neue Fenster für die Krebstherapie, die die Forscher ausloten und auf Praxistauglichkeit testen wollen.

Fachübergreifend arbeitet Professor Zender in Tübingen unter anderem mit der Abteilung für Pharmazeutische Chemie, der Abteilung für präklinische Bildgebung an der Radiologischen Klinik und der Universitäts-Hautklinik zusammen.

MEDICA.de; Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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