Krebsmedikamente zum Einatmen

Foto: Röntgenaufnahme von Lungenkrebs

Lungenkrebs ist eine der häufigsten
bösartigen Tumorerkrankungen;
© NCI Visuals Online

Im Visier steht das Enzym "Telomerase". Dieses Protein ist vorwiegend in Tumorzellen aktiv und verhindert, dass die Zellen altern und absterben. In gesunden Zellen ist der Alterungsprozess ein Mechanismus der "biologischen Uhr". Die Chromosomen, auf denen die Erbinformation im Zellkern liegt, haben an ihren Enden so genannte Telomere. Diese schützen die Erbsubstanz vor Schäden - ähnlich wie Plastikhülsen am Ende eines Schnürsenkels.

Mit jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere jedoch, so dass ihre Schutzfunktion mit der Zeit verloren geht. Die Folge: Die Chromosomen werden instabil, die Zellteilung hört irgendwann auf. In Krebszellen hingegen verlängert das Enzym Telomerase die Chromosomen-Enden immer wieder. Dadurch können sich die Tumorzellen immer weiter teilen - sie sind quasi unsterblich.

Die Wissenschaftler wollen nun die Aktivität der Telomerase in Lungenkrebszellen abschalten und die bösartigen Zellen so wieder zu sterblichen Zellen machen. Um die Telomerase zu hemmen, setzen die Forscher ein so genanntes Antisense-Oligonukleotid (Antisense-Oligo) ein. Dieses kurze Erbinformationsstück blockiert die Bauvorlage, welche die Telomerase für die Verlängerung der Telomere benötigt.

Um den empfindlichen Wirkstoff unbeschadet und möglichst direkt in die Lungenkrebszellen zu bekommen, koppeln die Forscher die Antisense-Oligos an kleinste Partikel aus biologisch abbaubaren Materialien. Dadurch wird die Substanz stabilisiert, so dass sie intakt in die Zelle aufgenommen werden kann. Außerdem lässt sie sich in feinen Tröpfchen vernebeln, die dann vom Patienten inhaliert werden können. Durch diese lokale Behandlung ist die Wirksamkeit direkt vor Ort – in der Lunge - erhöht.

Die Wirksamkeit wurde bereits in isolierten Krebszellen im Labor nachgewiesen. "Um die bisherigen experimentellen Befunde dieses neuen Konzeptes und die Effektivität der inhalierbaren Substanz zu überprüfen, sind aber noch weitere Untersuchungen notwendig", erklärt Professor Claus-Michael Lehr, Projektleiter an der Universität des Saarlandes, Institut für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Krebshilfe e. V.