Krebsmolekül sorgt für Aufrechterhaltung der Gehirnfunktionen

Foto: Bild eines menschlichen Gehirns im Kopf

VEGF D spielt eine regulierende Rol-
le bei den Gehirnfunktionen und um-
gekehrt hält die Gehirnaktivität die
VEGF D-Werte hoch; © pantherme-
dia.net / James Steidl

Das hat ein Forscherteam unter Leitung des Neurobiologen Professor Hilmar Bading am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg nachgewiesen. Die hochkomplexe baumartige Struktur von Neuronen ist eine wichtige Voraussetzung für ihre Fähigkeit, Verbindungen mit anderen Neuronen herzustellen.

Die daraus resultierenden Vernetzungen sind die grundlegenden „Recheneinheiten“, die das normale Funktionieren des Gehirns ermöglichen. Veränderungen im Astwerk dieser dendritischen Bäume können eine negative Wirkung auf die Vernetzung ausüben und damit kognitive Defizite nach sich ziehen. Eine Verkürzung der Dendriten und eine Vereinfachung der dendritischen Verzweigungen sind als Merkmale verschiedener neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer beobachtet worden, wie Bading erläutert. Sie können zu erheblichen Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten führen.

Als Schlüsselregulator der neuronalen Verzweigungen haben die Heidelberger Forscher jetzt erstmals das Signalmolekül VEGF D identifiziert. In der Wissenschaft war VEGF D bis dahin als wachstumsfördernder Faktor in Bezug auf Blut- und Lymphgefäße – als Vascular Endothelial Growth Factor – bekannt. Weil dieses Signalmolekül auch die Ausbreitung von Tumoren begünstigen kann, zielen bestimmte Formen der Krebstherapie systematisch darauf ab, diesen Wachstumsfaktor zu blockieren.

Das Team um Bading hat nun bei Tieren nachgewiesen, dass das Blockieren der VEGF D-Bildung in den Neuronen zu einem Zusammenschrumpfen der dendritischen Bäume und somit zu schweren Beeinträchtigungen des Langzeitgedächtnisses führen kann. „VEGF D spielt eine regulierende Rolle bei den Gehirnfunktionen und umgekehrt hält die Gehirnaktivität die VEGF D-Werte hoch“, erläutert Bading. „Gleichzeitig mahnt die unerwartete Rolle, die wir für VEGF D im Gehirn identifiziert haben, zur Vorsicht beim Einsatz von VEGF D-Signalblockern als krebstherapeutische Maßnahme“.

MEDICA.de; Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg