Krebstherapie kennt kein Einheitsrezept

Identische Zellstrukturen können bei
verschiedenen Krebsarten unterschied-
liche Funktionen erfüllen; © PR&D

Warum die Blockade eines Rezeptormoleküls bei Brustkrebs das Wachstum des Tumors verhindert und bei Eierstockkrebs keine Wirkung zeigt, wurde nun in einer Studie dargelegt. Es wurde die Funktion des HER2/neu-Rezeptors in Tumorzellen von Brustkrebs- und Eierstockkrebsgewebe verglichen. Die Studie zeigt, dass die durch den Rezeptor regulierten zellulären Prozesse zwischen den verglichenen Krebsarten stark variieren. Da HER2/neu das Ziel einer erfolgreichen Therapie des Brustkrebs ist, hat das Ergebnis große Bedeutung für Konzepte zur Behandlung des Eierstockkrebs.

Das Team verglich Gewebeproben von 148 Tumoren des Eierstocks untereinander, mit Ergebnissen von Brustkrebs-Gewebeproben und mit vorhandenen Patientinnen-Daten. Dabei wurden unter anderem interessante Abweichungen zu Brustkrebsgewebe festgestellt. Zwar konnte in ca. 25 Prozent der Fälle ebenso ein gehäuftes Auftreten des HER2/neu-Rezeptors beobachtet werden (eine bekannte Tatsache), doch ein anderes Signalmolekül (CXCR4) war in Zellen des Eierstockkrebs unbeeinflusst.

In Brustkrebszellen, die HER2/neu verstärkt bilden, kommt aber gerade auch CXCR4 häufiger vor als in gesunden Zellen. Tatsächlich ist CXCR4 ein Molekül das mit der Bildung von Metastasen in Verbindung gebracht wird und man vermutet, dass HER2/neu die Bildung von CXCR4 sowohl induziert als auch das Molekül gleichzeitig vor dem Abbau durch Enzyme schützt - und damit den Krebs aggressiver werden lässt. Die Ergebnisse der Medizinischen Universität Wien zeigen nun, dass beim Ovarialkarzinom diese Signalwirkung des HER2/neu keine Rolle spielt.

Zur Bedeutung dieses Ergebnisses meint Prof. Michael Krainer, Onkologe an der Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien: "Seit fast zehn Jahren kann man mittels molekularer Diagnostik den erblichen Brustkrebs identifizieren und in der Brustkrebstherapie auf so genannte monoklonale Antikörper zurückgreifen. Der erste für den Einsatz als Medikament zugelassene Antikörper blockiert punktgenau den HER2/neu-Rezeptor und verhindert so ein weiteres Wachstum des Tumors. Ein sehr gutes Beispiel für ein maßgeschneidertes Therapiekonzept. Wie wichtig aber das weitere Differenzieren bei der Krebstherapie ist, zeigt nun unsere Arbeit. Denn obwohl der gleiche monoklonale Antikörper auch bei Zellen des Eierstockkrebs auf diesen Rezeptor passt, bewirkt er dort herzlich wenig.“

MEDICA.de; Quelle: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung