Bisher wurde vermutet, dass Kriege und Konflikte die Ausbreitung von HIV-Infektionen fördern: durch Vergewaltigungen und Flüchtlinge, die eine HIV-Infektion verbreiten könnten. Allerdings wurde diese Vermutung in letzter Zeit auch wieder in Frage gestellt, denn es gibt durchaus auch Gründe, die dagegen sprechen. So ist die Frequenz des „normalen“ Geschlechtsverkehrs, der hauptsächlich für Übertragungen sorgt, bei Flüchtlingen naturgemäß geringer. In einer Studie sollte nun die Frage näher untersucht werden, ob kriegerische Auseinandersetzungen einen Einfluss auf die Rate der HIV-Infektionen haben.

Wissenschaftler haben sich dazu sieben afrikanische Länder herausgesucht: Die Demokratische Republik Kongo, Südsudan, Ruanda, Uganda, Sierra Leone, Somalia und Burundi. Dabei verglich man die Rate der HIV-Infektionen bei den Flüchtlingen mit der HIV-Rate jener einheimischen Bevölkerung, die in näherer Umgebung wohnte, aber nicht auf der Flucht war. Die sieben genannten Länder boten sich an, weil dort in den vergangenen fünf Jahren die HIV-Prävalenz untersucht worden war.

Eine intensive Literaturrecherche erbrachte nun folgende Erkenntnisse: Unabhängig von der HIV-Prävalenz vor dem Beginn kriegerischer Auseinandersetzungen erhöhte sich die Prävalenz von HIV-Infektionen in den Kriegszeiten nicht. In den Städten, die vom Krieg betroffen waren, sank die HIV-Prävalenz sogar leicht, ebenso wie in Städten, in denen es ruhig blieb.

In den ländlichen Gebieten blieb die HIV-Infektionsrate relativ niedrig und stabil, mit oder ohne Krieg. Nur in einem von zwölf Flüchtlingslagern war die Infektionsrate höher als in der einheimischen Bevölkerung des gleichen Landes. In neun Flüchtlingslagern war sie sogar niedriger.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007; Vol. 369, S. 2187-2195